Nun ja, die Kantstraße ist jenseits des Landwehrkanals, aber es begab sich nun mal, dass ich dort vorm "Schwarzen Café" sass und sie just dort durchlief vor meinem noch vollen Glas. Sie: eine Künstlerin mit – laut inoffiziellem Ondit – hochlöblichen Pinseleien, aus dem Osten Europas, Rumänin oder Ungarin. Nur drei Tage vorher war ich an ihrer Vernissage in der Potsdamer Straße (da musst du hin, das ist schön, suggerierte wie immer Gisela, meine frühere Nachbarin).
Die Künstlerin lief also vor mir durch, eine flüchtige, eine ephemere Erscheinung, und mir fiel, ihr nachblickend, ein Gegenstück aus dem Piéton de Paris ein. Was Friedrichsheim, Neukölln oder die Potsdamer Straße, Berlin in Bogen und Bausch für die heutige Smartphoneboheme, das war vor bald 100 Jahren der Montparnasse: "Celui de carrefour Montparnasse-Raspail, où s'étale tout le déchet de l'Europe intellectuelle et artistique. Tel poète obscur, tel peintre qui veut réussir à Bucarest ou à Séville, doit nécessairement, dans l'état actuel du Vieux Continent, avoir fait un peu de service militaire à la Rotonde ou à la Coupole, deux académies de trottoir où s'enseigne la vie de bohème, le mépris de bourgeois, l'humour et la soulographie." (Léon-Paul Fargue im Piéton de Paris, 1932)

Als die Rive gauche noch gauchiste war und das Seine-Ufer mit den Klappkisten der Bouquinisten bestückt und der Franc gerade Nouveau geworden war, da wollte ich den 1 nouveau franc für einen Rimbaud-Titel herunterhandeln.
Der Bouquinist schaute mich melancholisch an: Mais, Monsieur, à nous il faut aussi vivre ... Ich, Halbwüchsiger, zahlte den verlangten NF.
In den Schatten der Platanen schlich auf Zehenspitzen eh eine billige Tristesse des Herbstes, die OAS jagte de Gaulle, und ich legte den Kopf in den Nacken, hielt fest mein neues Buch und roch die zitternde Blässe anstehender Wintermonate

Freixenet Cava »Elyssia« Gran Cuvée Brut
Eine sehr elegante Flasche mit einem sehr mittelmäßigem Sprudel.
Erst ein Aha!, sehr rauchig, Lapsang Souchong, dann, nach dem Schluck, breitet sich nur sauere Säure in der Brust

Freude (im Szenejargon der Siebzigerjahre: klammheimliche) durchströmt mein Herz bei den Nachrichten aus Burma – schließlich und endlich merkt (was zu hoffen ist) auch der letzte europäische Buddhismusfreak, dass sein Schwärmen einer ordinären Religion gilt. Einer wie all die anderen Religionen es sind: närrisch, bescheuert, dumm und aggressiv.

mehr als dreieinhalb Stunden habe ich nun die Gehsteige der Stadt Zürich abgeklappert, peu à peu den Rucksack mit Konsumgut auf gut 10 Kilogramm aufgefüllt, nun milde angedrögelt mich strikt rechts an den Hausmauern entlang gedrückt, um nicht in Zickzack dem kopflosen Entgegenkommen ausweichen zu müssen – da kam mir ein breitkrempiger Freitagabend-Hut entgegen, der meinte, es wäre sein Recht, links zu halten und mich zum Ausweichen zu zwingen. Um nicht als Antisemit beschimpft zu werden, trat ich zur Seite, gönnte mir aber im Vorbeigehen die Bemerkung: "In Europa haben wir Rechtsverkehr" ... Der Adonaifürchtige, sich umdrehend unter seinem koscheren Sombrero, spuckte zack: "Ich bin Brite"

"Der Kanton Zug ist tatsächlich eine passable Alternative zu einem Leben im Kloster ..." Daniele Muscionico (NZZ-Interview)

Friedrich Cerha: Ich konnte mich nie als in der Gemeinschaft integriert fühlen

Hassprediger ist ein putziges, ein infantiles Wort. Auch deshalb, möchte man sagen, wird es dem Niveau der Hassprediger gerecht

ich lag auf dem andalusischen Feldweg, al aire libre mit weit gestreckten Armen, blickte cara al cielo in die quirlend-quirlige mitternächtliche Unendlichkeit über mir und lächelte, lächelte, lächelte das einfältige Lächeln eines trunkenen Buddha (ohne das erleuchtete Bauchfett vorzuweisen)

ein kaum wahrnehmbares Zucken im Gesicht des blinden Mädchens auf der Bank, als es das Klicken meiner Radschaltung hörte

Seit dem 1. August herrscht Dercon alleine. In den letzten vier Tagen hat er mit dem Theater auch die Inhalte von Facebook, Twitter und den üblichen Accounts samt Likes und Followers übernommen. Die Volksbühne heisst nun nicht mehr "am Rosa-Luxemburg-Platz", sie nennt sich "Volksbühne Berlin". (Siehe Facebookseite)
Und hier, auf dieser Facebookseite, ist inzwischen ein lustiger Shitstorm am Poltern – die Häme trifft vor allem Dercons ersten Beitrag bereits, der – auch nach meinem bescheidenem Dafürhalten – an Werbung für Yogakurse auf Ibiza erinnert:
"Die Sinne schärfen. Sich ins Detail versenken. Das Gesamte vom kleinsten Teil denken. Lauschen. Flüstern. Klein werden. Raus aus dem Totalzusammenhang. Kommt zusammen!"
So tönt es, wenn Werbetexter sich mit Esotänzerinnen paaren

Freude an der Stille.

Der Sprecher des Weißen Hauses spricht ziemlich laut zu uns:
"Fickt euch selbst
Ich kille sie alle
Ein verfickter, wahnsinniger Schizophrener
Ich versuche nicht, meinen eigenen Schwanz zu lutschen"
Honni soit qui mal y pense aber Amerikas neue Größe erfüllt mein Herz irgendwie mit Genugtuung

Unter Jazz verstehen viele vieles, dabei aber fühlen sich alle, egal welcher gesellschaftlicher Provenienz, in einer Art Geheimbund verbunden. Gebläse wird hier unisono angehimmelt, allen Bläsern vorab das Saxofon. Diesem Blech liegen sie alle ausnahmslos zu Füßen. Auch der Musiker, der in der SZ (13.7.17) in einem Artikel über den Auftritt von "Woody Allen and his New Orleans Jazz Band" in der neuen Hamburger Elbphilharmonie zu Wort kommt, sagt: "Ich mag Jazz. Aber das hier? Soll das Jazz sein? Oder Klezmer? Wenn die wenigstens mal ihre Instrumente gestimmt hätten!"
Die "gut betuchte Hamburger Entourage feiert ihren von der Leinwand herabgestiegenen Lieblingsphilosophen, Woody Allen, 81." Das Publikum, "meist Anzug und Hornbrille", buht als "zwei barbusige Femen-Frauen auf die Bühne springen und von sexuellem Missbrauch krakeelen". (Meinen tun sie Allens Missbrauch seiner Adoptivtochter.) O-Ton Woody Allen: "Komische Mädchen ..." und er zuckt mit der Schulter und verschwindet... "Seinen Klang hat ein Kritiker mal 'zwischen glücklichen Küken und einem billigem Hotelwecker' angesiedelt. Das trifft es."

2017 Juli 9, Sonntag
Ich verstehe Lorenz Lotmar (1945 – 1980), dass er es nötig hatte, ein Buch mit dem Titel "Irgendwie einen Sonntag hinter sich bringen" zu schreiben
(Einst, zu den heroischen Zeiten der Bauernschänke am Züricher Rindermarkt, war er dort auch Passant ...)

Jadis, si je me souviens bien, ma vie war zwar kein festin, aber immerhin, im bitterkalten europäischen Winter, der die Seen zufrieren ließ, ein warmer Bibliothekslesesaal mit Blick hinunter auf den Grand Sablon. Aus Spleen oder akademischem Eifer las ich dort "Baumeister Solness", nicht ahnend, dass ich Jahrzehnte später in Berlin mit ebendiesem Ibsen-Werk dem Exitus eines Theaters beiwohnen werde:
Der Ära Castorf an der Volksbühne. Aus der Süddeutschen Zeitung: "25 Jahre lang haben Castorf und die Seinen das irrste, coolste, radikalste Theater Deutschlands gemacht, hirn- und stilprägend für mehr als nur eine Generation von Theatergängern und Theatermachern, ästhetisch abstrahlend in die ganze Welt."
Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz 1992 – 2017. Ein Fotoalbum. Alexander-Verlag Berlin, 19,90 €
Nun kommt der Dercon, der derzeitige Trump der Berliner Kultur

Ehre? Du sagst, Ehre!? Eine Wohnung just unter dem FIFA-Sitz zu bewohnen, soll Prestige sein? Ist wohl nicht dein Ernst! Dieses global agierende, durch und durch korrupte Kicker- bzw. Verbrechersyndikat soll meine Wohnung adeln?
Nur ein Witz, sagst du, war das. Ja, ein Witz. Ein Witz ist gewiss, dass die Stadt Zürich dieser Gaunermeute Steuerfreiheit garantiert

Les hommes sont faits, nous dit-on,
Pour vivre en band‘ comme les moutons.
Moi, j‘vis seul, et c‘est pas demain
Que je suivrai leur droit chemin –
jungsch noch, also gering alt, hörte ich gern Brassens. Sein gemauscheltes Französisch. Sein früher Tod mit nur 60 (1981) ging mir nahe.

die einen kritzeln winzige, schier nicht entzifferbare Zeichen auf Papierli, wandern still um Appenzeller Bühel und sinken in den Schnee. Andere krähen und krakeelen alle zwei Jahre mit belanglosen "Monster Poems", werden trivial illustriert, und in Auszeichnungen und Stipendien gebettet

Wo der Tod im Text auftaucht,
da folgen wohl oder übel Jesus, Allah und all die anderen Popanzen geistiger Milchigkeit

Im ICE liegen verschiedene Zeitungen zur Instandhaltung smartphoneramponierter Hirne auf. Auch die Bild-Zeitung ist darunter. Die Berichterstattung dieses Blattes ist zwar von recht zweifelhaftem Ruf – Gruftis mögen sich an den einstigen Kriegsruf erinnern: "Springer-Presse halt die Fresse" –, aber Sex & Verbrechen gedruckt auf Papier ist doch viel sinnlicher als auf Instagram oder YouTube.
Es sind jedoch die sprachlichen Qualitäten, die mich jeweils nach der Bild-Zeitung greifen lassen. Kein Germanistikseminar kann so viel zum Sprachfeinschliff beitragen. Gestern zum Beispiel las ich einen Bild-Bericht, der beispielhaft für die Ausmerzung unwirtschaftlicher Formulierungen steht:
"Bad Hersfeld – 10 Uhr, Dudenstraße: ... Typ dreht durch, drischt mit Latte auf Auto ein, verschüttet Benzin in seiner Wohnung, zündet sie an. Schnelle Festnahme. Wohnung gelöscht. Zwei Verletzte."

kaum ist man in Zürich, sieht man jede Menge Kryptoproletarier. Vor zwei Stunden bin ich auch Yannis Varoufakis begegnet. Er kam aus dem Hotel Widder. Zimmerpreis: um zwei Monatslöhne eines griechischen Arbeiters

Eigentlich wollte ich fünfeinviertel Glas Rotwein friedvoll genießen, dann aber kam Professor Gerd Habermann dazwischen. Die Maßangabe zum Wein diktierte mir ein Blick auf den Flaschenrest in der Küche – die Sache mit dem Professor war dann etwas komplizierter. Habermann, Wirtschaftsphilosoph und Professor an der Universität Potsdam, meldete sich erst nach zehn Seiten NZZ-Lektüre am Freitag, unter dem Titel "Die soziale Wärme des Kapitalismus" auf der elften.
So was von zynisch, dachte ich zuerst, die NZZ wird immer spitzzüngiger.
Nach einigen Sätzen im Habermann-NZZ-Text allerdings fror es mich plötzlich und, schlimmer noch, der Wein schmeckte nicht mehr. Die "soziale Wärme des Kapitalismus" war für Habermann wie für die NZZ bitterernst gemeint ...
"Je mehr Wohlfahrtsstaat, desto mehr erkalten die Beziehungen der Menschen zueinander" schlussfolgert Professor Gerd Habermann, "je mehr Kapitalismus, desto mehr soziale Wärme wird möglich." Vorher schon gibt es in seinem Text eine Menge reaktionären Stuss und Schwachsinn – "niemals gab es mehr soziale Wärme als in den besten Zeiten des Kapitalismus." Mit diesen "besten Zeiten" meint Habermann den "Hochkapitalismus im 19. Jahrhundert". Den Manchester-Liberalismus also, den viehischsten Kapitalismus, den wir je hatten.
Vielleicht soll man doch vor dem Abschluss eines NZZ-Abos noch an andere Zeitungen denken

Mit Europa auf den Lippen gibt es verzogene Mundwinkel, fiese Blicke aus dem rechten Schmuddel, aber auch wummernde Bässe. Ich stehe da am Gendarmenmarkt, in einem strunzenden Fahnenmeer, betäubt von dröhnenden Lautsprechern zum höheren Nutzen Europas, es ist 13 Uhr, lichter Mittag, eigentlich will ich nur ins Konzerthaus hinein, durch eine aufgedrehte Masse von Europafans durch. Europa ja, Europa schön, ich fühl ja mit euch, ja, jetzt aber, trotz der dummen Tageszeit, möchte ich drin im Konzerthaus hören wie der Tod das Mädchen bezirzt (auch Schuberts D 810 genannt). Und dieses D 810 ist ein sehr, sehr stilles Sahnestück der Musikliteratur, eine sehr, sehr leise Kostbarkeit in der Kultur Europas – es, ich, wir brauchen Ruhe zum Genuss.
Einmal im Haus drin, nach etlichen Gängen und Treppen, stelle ich erlöst fest: Die Stimme Europas ist nicht mehr hörbar.
Laut Goethe ein "Gespräch unter vier vernünftigen Leuten", das Streichquartett ist die Königsdisziplin der Musik: An diesem heutigem Tag bilden fünf Ensembles (mit vier Quartetten und einem Quintett) von nur zwei Komponisten eine "Hommage an Alfred Brendel". Ein Zeitfenster aus der Musikgeschichte von gerade mal vier Jahren – wen wunderts, man weiß ja: Alfred Brendel hat so seine Mühe, sich für die Musik nach etwa 1830 zu begeistern. Schubert also und Beethoven. Dafür sind alle fünf Darbietungen ein Gipfelpunkt, durch all die etwa neun Stunden – ein Ohrenmarathon.
Um 14h Schuberts D 810 durch das Quatuor Hermès, um 15h45 Schuberts D 887 durch das Doric String Quartet, um 17h30 Beethovens opus 132 durch das wie immer vorzügliche Cuarteto Casals, um 19h30 das überraschend glänzende Spiel des Schweizer Merel Quartetts mit Beethovens opus 130 und der anschließenden Großen Fuge opus 133
In den Pausen stelle ich mich auf die Plattform über der Fronttreppe, blicke hinunter auf das Heer der Europafahnen, auf Polizeibusse, Seifenblasen und die für einmal verdrängten Touris. Mich umblickend, suche ich nach "Des Vetters Eckfenster", aus dem vorvorgestern noch, kurz vor seinem Tod, E.T. A. Hoffmann das Treiben auf diesem Platz, dem Gendarmenmarkt, protokollierte. Nur ein frommer Spruch fällt auf: an der Front des Deutschen Doms lese ich: "Selig sind die Sanftmüthigen" und verstehe die Phrase als Fingerzeig für den Umgang mit der Platzanweiserin drin im Saal.
Ohne Nepotismus geht es anscheinend auch in der E-Musik nicht. Für Schuberts Streichquintett D 956 mit dem Quatuor Ebène – ("Vor dem C-Dur-Quintett verneigen sich alle Menschen, denen Musik etwas bedeutet, glücklich bewundernd – oder sie schwärmen" schrieb der soeben verstorbene Universalkritiker Joachim Kaiser) – ist das zweite Cello mit Alfred Brendels Sohn Adrian besetzt. Schon rein optisch – ich sitze just gegenüber – fällt der Mann durch seine Physis aus der Reihe der Ebène-Streicher, und ich werde das Gefühl nicht los, dass dieses zweite Cello vom Quartett als aufgezwungen empfunden wird. Entsprechend wähne ich hie und da Schusseligkeiten zu hören ...
Alfred Brendel, er ist 86, sitzt übrigens bei allen Konzerten dabei. Und liest und spricht und spielt Einführungen.
Gegen 23 Uhr schlendern wir die Friedrichstraße hoch zur Chausseestraße. Neben dem Dorotheenstädtischen Friedhof / Brechthaus beim Vietnamesen gibt es noch Ente mit gebratenen Nudeln und profanem Warsteiner. Leider schmecken die Nudeln mehr gekocht als gebraten und das Bier halt eben als Bier

Heute, dachte ich, sehe ich eh nur Mannschaftswagen in Kriegsmontur. Hör nur sirrende Gummigeschosse, die den Kuss fliegender Pflastersteine suchen. Heute, in Anbetracht des Umstands, dass ich die Fünfzig leicht überschritten, meide ich weise Kreuzbergs Kotti, den Görlitzer Park, die Köpenicker und ähnliche Zentren cholerischer Juvenilität, mache einen Bogen um die geile Hetze für eine gerechtere Gesellschaft, für schrankenloses Biomüsli und die tabulose Umarmung aller gegen alle.
Heute, 1. Mai, balle ich die Faust, recke den linken Oberarm vorsichtig über der Bettdecke und schreite später trotzig zur Kasse des Konzerthauses am Gendarmenmarkt. Als Geist, der stets verneint, werfe ich mich trotz des Klassenkampftags der Arbeit in die linde Musik Schuberts, werfe mich an den wohlig klingenden Busen der Schönen Müllerin.
Mauro Peter, der junge Tenor, für einmal in Turnschuhen (sein Outfit wird entschuldigt), scheint auch in Berlin kein Unbekannter: Der Saal ist ausverkauft.
Und Mauros Müllersbursche enttäuscht nicht. Von des Müllers Wanderlust bis des Baches Wiegenlied, den ganzen Liederzyklus des Lyrikers Wilhelm Müller durch, fühlt Mauro Peter mit, leidet mit – Herz & Schmerz, die biedermeierische Tragik wird Ereignis. Manchmal, nur hie und da, erinnert mich Peters kultivierter Tenor an einen Heldentenor, man sucht plötzlich nach dem Liedsänger. Zu voluminös kommt der Klang, quasi una Verdi-Unterhaltung für die Arena.
Helmut Deutsch ist der Begleiter auf dem Klavier. Ein kongenialer Interpret, ein bewusst Mitgestalter. Wie vielen Sängern hat er wohl schon sekundiert!?
In der Reihe vor mir sitzt Alfred Brendel mit Frau. Auch dieses Mauro-Peter-Rezital gehört zum Konzerthaus-Zyklus "Hommage an Alfred Brendel", fällt mir ein – wie das gestrige neunstündige Streichquartett-Marathon.

Der Reiz kitzelt nicht lang, und auch nicht tief.
Der Anreiz von Musikkritik in den Medien, der urteilenden Einschätzung von E-Musik-Vorträgen, kitzelt nicht lang, nicht tief, die Irritation hält sich in einem engen intellektuellen Rahmen. Kein Schwein liest über den Artikeltitel hinaus weiter – es sei, er war beim Happening dabei, als Konsument oder als bekrittelter Interpret. Entsprechend lauwarm und manchmal töricht sind die verfassten und gedruckten Redaktionsbeiträge:
Ich erinnere mich da an die "Kritik" in einem Züricher Anzeiger, in der ein Übersetzer spanischer Schmöker, ich glaube, er hiess Peter Schwaar, ein Konzert besprechen durfte mit Worten: "Mendelssohn, von dem wir wissen, dass er meist nicht besonders talentiert war" ... Aber selbst die Rezensionen des meist verlässlichen ehemaligen NZZ-Kritikers Peter Hagmann wirken irgendwie papierig und trocken.
Der Musikkritik also leicht überdrüssig flog ich heute mehr aus Versehen über die Zeilen der "Klassikkolumne" in der Süddeutschen Zeitung – um gleich wieder, und diesmal gründlich, die gesamte Spalte durchzulesen. Ohne auf den firmierenden Verfasser geschielt zu haben, spürte ich: Diese, sich in die Musik, in die Interpretation derart einfühlende Sprache kann nur eine Frau verfasst haben.
Der dann erfolgte Blick ans Ende der Spalte bestätigte: Julia Spinola.
Thema ihrer Kolumne waren neue Brahms-Interpretationen. Johannes Brahms, den ich nie mochte, den ich immer rückwärtsgewandt, "wuchtig-behäbig" (O-Ton Spinola) empfand, wird mir durch diesen Text direkt anziehend gemacht. Über eine CD mit dem "großen Arcadi Volodos" schreibt Julia Spinola: "Als wisse er um ihre Sterblichkeit, hütet sich Volodos davor, diese höchst fragilen Wunder eines intimen, flüchtigen Ausdrucks interpretatorisch anzufassen. In somnambul-versunkenen Klanggefilden scheint er der Musik eingriffslos zu lauschen, spürt sie in farbenreichen Piano-Schattierungen und feinsten Anschlagsnuancen behutsam auf." Spinola schreibt hier von "choralartig innersten Herzenskammern", von "süßesten Trugbildern", von "beinahe morbiden Auflösungszuständen". Nie hätte man zuvor gehört "wie leibnah und zugleich ätherisch diese Musik ist".
Die CD streame ich mir. Und hoffe auf einen tüchtigen Schuss Gefühlsseligkeit.

eben haben wir zum 2000x-ten Male die wunderliche Auferstehung eines jüdischen Wanderpredigers gefeiert – quasi deckungsgleich meldet sich Jean Ziegler mit dem eitlen Statement: Mein Geist lebt nach meinem Tod weiter! Ziegler sieht auch und spricht mit Geistern – "die Präsenz der Toten ... ist evident".
Ach, ihr spökenkiekenden Sozialdemokraten!

was wollte Christian Halbpflützler eigentlich dem Facebookstadel auf Gibberisch sagen?
Dass auch er sich eine ISBN-Nummer einverleibt?
Dass Momo nicht Vänçi Glanzmann?
Dass auch die Flughunde nur hart kippende Kämpfer?
Dass nicht aller Wurmwuchs aus l'origine du monde?
Dass Zielgerichtetes Deutsch einzig Michael Reif-Reifigst in 8032 Zürich?
Dass rollfingrig-geschmeidige Strukturelle Alltagsintegration dafür nur durch Astrid am Limmatkai, im Widderhaus 74?
Dass die Luftlettern absichtlich durch Anja Nora Schultheiss verdreckt?
Dass die Kunz kurz vitaltransformt von Momo in Ivano und zurück in Martina Zahn del Ré?
– Das Glas war dann schnell geleert in der Züricher Reithalle. Zurück blieben die Denksprünge zu den überaus reichlich ausliegenden, um Aufmerksamkeit buhlenden Kunstkurs-Postkarten und alternativem Gemüsemainstream. Es fehlten nur, seltsamerweise, die ansonsten obligaten Abbildungen von duselndem oder fauchendem Katzengetier.

Der Herr hat mich heute früh durch eine juckende Hautstelle ans Aufwachen gemahnt.
Bei soviel mütterlicher Fürsorge, sinnierte ich, muss man Schiller bzw. Beethoven beipflichten:
Brüder – überm Sternenzelt muss ein lieber Vater wohnen

es interessiert die Facebook-Verbraucherin wahrscheinlich nicht die Bohne und sie möchte auch während Katzenstreicheln und heißem Fernsehschaun nicht mit der Nebensächlichkeit angeödet werden, dass Mr. Donald D. Trump fernsaugt und ich meine Informationen aus der Zeitung und dem Rundfunk hole. Trotzdem halte ichs der Facebookerin unter die Nase: Ich habe keinen Fernseher.
Das Zitat auf dem Foto bezieht sich auf Elfriede Jelineks Trump-Stück. (Ich erlaube mir hierzu den unnötigen, dafür despektierlichen, Gedanken: Wenn morgen die Welt kollabiert oder sonst die Fassung verliert – die Jelinek wird übermorgen unweigerlich ein Heiss-Feder-Stück dazu vorlegen ...)

was einem an Verschüttetem beim Lesen von Wahlresultaten (Saarland, AfD) einfallen kann:
Bühne: Kneipe Kreuzberg, Zeit: Wende 2015/16, frühabends. Zwei Tische weiter erkenne ich Frauke Petry, ich spitze die Ohren: sie spricht über den Dexit. Die Kellnerin, offensichtlich eine Aushilfe, vielleicht jobbende Studentin, bringt mir das Gewünschte, geht weiter zum Petry-Tisch. Mit einem streifenden Blick auf Petry fragt sie: "Sind Sie Frau Petry?" Frauke Petry schaut auf, nickt zögernd.
Darauf die Bedienung: "Dann kann ich Ihnen endlich sagen, dass ich Sie scheiße finde."

Schon wieder was Vertrautes. Ein Wahrzeichen Berlins löst sich auf. Das verbeinte Speichenrad, Symbol der Volksbühne, verschwindet vom Rasen vor der Volksbühne. Wegen Chris Dercon.
Immerhin: Als Kleber auf meinem Wäschekorb hälts die Wacht. Bis zum letzten Waschgang.

Beethovens Siebte putschte mich mehr auf als "Roll over Beethoven" von Chuck Berry. Das war so um 1960.

der Mann schäkert mit seinem Geburtsjahr (1943) und stellt das Fragezeichen im Titel seines neuen Bands zur Schau: "Alt?", erschienen soeben (2017) bei Luchterhand. In seiner Rubrik "Das Gedicht" druckt das Feuilleton des Züricher Tages-Anzeigers aus diesem Band:
"Blüht, ihr Tulpen / rote, gelbe, weiße / feiert euer Fest der Farben / blüht, so schnell ihr könnt! ..."
Ich halte solche "Gedichte" nicht für senil, ich halte sie für seicht, für pubertär leer, beleidigend nachgerade fürs Hirn.
Nicht dass Franz Hohler je etwas Bewegendes oder gar Erregendes geschrieben hätte – sein politisch korrektes Getue reicht mir nicht.
Deshalb frage ich mich: Wie korrumpierbar sind die Feuilletons der Provinz, da sie sich doch augenfällig der Kupfer-Wolle-Bast-Leserin anschmiegen

der schreitende Turm:
eingesperrt in einem Ikosaeder steckt ein Insekt webender Musik – weder von Webern noch von von Weber
getreu unseren musikalischen Prinzipien beenden wir hier dies Gedicht (Dank aber an Paz!)

höre leichthin, en passant, Ernst Kreneks Vertonungen von drei Rilke-Gedichten (Ô Lacrimosa). Werde aufmerksam – die Stimme, Anu Komsi, kenne ich bereits, aber die Geschichte der Lieder, Kreneks Besuch bei Rilke in Sierre 1925, ist mir neu – ich lese nach.

das Wort. Dessen Oberwörter. Das Wort anschlagen und dessen Oberwörtern nachhorchen.
Und wieder das Wort anschlagen, und wieder dem Hall nachsinnen. Neu das Wort tippen und nur noch der Nachschwingung der Laute achten

dürftige Gägchen, erstarrte Performanz: Marthaler im Züricher Schauspielhaus (King Size). Wiedersehen mit Nikola Weisse – die habe ich im Alter anders vorgestellt. Spaghetti muss sie aus ihrer Handtasche essen

Museum Ludwig Köln Gerhard Richter Neue Bilder:
Rot dass ich nicht lache rot.
Knallende Abstraktion.
Schmiern das Ungrün, verschämt im Off,
hie salben (eine Fingerübung) zwei Millionen Augen den Helden in Vorbeiprozession.
Abschmiern statt Hängen. Schmiern ist Bewegung.
In den gelblichen Flecken Schmutz, verpflichtet als feinsinniger Tribut.
Farbe, na ja. Schroff konturenlos
Tünchen den Fotorealismus a. D., den verwaschenen Richter, radiern radikal die Nachäffer im Bergschatten, auf plattem Land, und weiter im Hinterland.
Aber Grau

Ich plane eine Lange Nacht der Ichs.
Da dieser Tage all die, die ihre Referate – gern um den Tresen – radikal postfaktisch auf den Punkt bringen (mit oder ohne Bäuerchen), muss ich doch mal festhalten:
Ich ist definitiv ein Anderer
– als dies mein Facebookprofil verkündet.
Die Netze speisen wir ja – je später die Nacht – unermüdlich mit Avataren. Ihre Unzahl rückt uns dann – Unheil in sich bergend – langsam auf den Traumleib. Es sind klar zu viele. (Das ewige Bemühen von Tor! Die lästige Verwaltung der Passwörter! All die Mailadressen!)
Ich plane eine Lange Nacht der Ichs.
PS: Mir ist bekannt, dass ein gewisser Rimbaud Arthur mit dem Spruch (feiner gesagt: Briefnotat) "Je est un autre" hier das Erstgeburtsrecht beansprucht und mir also zuvorgekommen ist.
Trotzdem halte ich fest: Damals, 1871, gab es noch keinen Zuckerberg.
Ich plane also eine lange Nacht der Ichs

Isabelle Faust berichtet, dass die Zusammenarbeit mit Claudio Abbado ihr "die Tür zu einem neuen Verständnis und Erleben" des Violinkonzerts von Beethoven geöffnet habe. Ascoltare il silenzio – war ein Leitsatz des verstorbenen Meisters ... (aus der NZZ)

Aus launischer Langeweile griff ich nach dem Tod in Venedig. Mein preziös gebundenes Exemplar aus 1913 (keine Erstausgabe, auch wenn aus dem gleichen Jahr) lag ja schon reichlich verstaubt nebst und unter anderen Literaturleichen. – Wider Erwarten las ich mich dann überraschend fest in den spleenigen Kapriolen und Anwandlungen des Herrn von Aschenbach. Schluckte mannhaft Thomas Manns kreidig-steife, verspannte Neoklassik, seine stelzfüßige Bildungshuberei, sein Naserümpfen über Balkanethnien oder die breite Masse. Trotz meines stinknormal geratenen Heteroseins fühlte ich mit Aschenbach-Mann "die Begeisterung seines Blutes" beim Anblick des Tadzio, sah auch gierig wie dieser Tadzio "in gestreiftem Leinenanzug mit roter Masche, vom Meere her, durch die Strandsperre und die Bretterwege entlang zum Hotel zurückkehrte."
So wie Aschenbach-Mann am Lido "köstliche" Ruhe findet, gepaart mit der wollüstigen Betrachtung eines Knaben, so – dies fiel mir urplötzlich ein – fand doch zur gleichen Zeit auch Leopold Bloom am Dubliner Strand etwas Ruhe im Anblick der willig verrutschenden, intime Sicht erlaubenden Röcke der Gerty, als diese die rhythmische Bewegung von Blooms Hand in dessen Hosentasche bemerkt ...
Hier immerhin onanieren – dort diesiges Dahindämmern auf einem Hotelbalkon

Die Monodie des Wintertags. Grau will weiß sein, und wie es sich trifft: der ICE ist wieder ein Ersatzzug

während die irre knallende Menschheit ihre Infantilität ohrenbetäubend zum Ausdruck bringt, sitze ich, schneckenlahm, immer noch über der Weihnachtsnummer von ZITTY, "dem seit 1977 radikal ehrlichen Stadt Kultur Programm für Berlin".
Denn ZITTY gab die Richtung vor und ich will ihr ohne Zögern folgen:
Sinn finden – fordert das Stadtmagazin: Kinder kriegen, Kunst machen, Karriere aufgeben – ZITTY zeigt "Berliner und ihre Wege zu einem erfüllten Leben" ...
Selbst im bornierten Silvestergeknalle sinne ich nun über dieses Erfüllte Leben und meine Ruh ist wahrlich hin

lasset uns jetzt aufhören. Der Abendstern ist hoch oben im dunklen Himmel: Ein Blockflötengelichter. Und mollig warm gestimmte Herzen heften Krippensterne an ihre Schlafzimmerfenster

Es begab sich eine Wolke. Statt laut christlichem Protokoll in lichter Freude über eine Gottesgeburt zu strahlen, schaute diese Wolke entschlossen ungenießbar. Entsprechend dieser ihrer gnatzigen Gemütslage trug sie auch tiefes Grau. Ein schmutziges Grau. Und sie zog ordentlich rasch (Sportler würden sagen: stürmisch) aus dem westlichen Weichbild der Stadt just in meine Richtung. – Die ersten Tropfen witternd nahm ich, mit verstauchtem Fußknöchel humpelnd, die Stufen zu einem Dennerladen am zürcherischen Kreuzplatz. Die Flasche Viña Real Reserva 2009 zu 12chf90 aus dem Regal dort führte bei der Bezahlung unerwartet zu einem Anflug von sanfter Röte auf den Wangen der türkischen Kassiererin. – Die Vernichtung des Flascheninhalts, mit freier Sicht auf die Stephansburg und den stillnächtlichen Burghölzlihügel (nicht jedoch aufs Mittelmeer), war dann doch reinst christlich, ohne osmanische Mitwirkung

Symphonies pour les soupers du Roy – geschmaust, gelöffelt, gerülpst, im Speichel geschnackelt, schnabuliert, knacksend zerhackt den scharf gebratenen Braten – was war da für ein Klangsalat im kauenden Hirn, was war da noch von Delalandes Musik zu verstehen!?

Die bei Sonne scharf gezeichneten Frühabende: Zeit, Karmapunkte zu sammeln

Steve Reich auf einem Sender. MinimalMusic: Wohlklingende Muster ohne Wert

Postfaktisch.
Mit dieser Supernova will ich doch auch mal leben – fiel mir in postkoitaler Tristezza ein

Zu den Zeiten als ich noch ein Praktikant war, war mein Praktikumsplatz ein Nebentischchen – in geziemendem Abstand zum Chippendale-Sessel des Meisters. Als PEN-Koryphäe hielt dieser sein Glas Bordeaux-Château disponibel immer in der Nähe seiner Lippen, tat jeweils einen Zug und spuckte dann – quasi mit Weinresten – ein Wort in die Luft. Meine Aufgabe, jeden Tag von 15h bis 17h30, war, zu diesem Geniewort einen kongenialen Satz zu bilden.

ay! Daniele, das ist nun doch eine Überraschung! Dein Familienglied im näheren Umfeld des nächsten US-Präsidenten, ja, das überrascht mich.
So gelangweilt, so interesselos, so wurstig wie Mr. Donald D. Trump im Fond seines Straßenkreuzers ins Objektiv deines Bruders blickt – das setzt doch schon eine längere Bekanntschaft zwischen Knipser und Objekt voraus.
Und die entspannte, wenn nicht gar obszöne Haltung Herrn Trumps, mit der Hand im Schnitt ... (SZ 19.11.16)

Gräulich? Greulich! In vier Spalten weint Stefan Stirnemann von der Schweizer Orthographischen Konferenz dem "greulich" nach, zurrt und zerrt die modernde Rechtschreibreform auf die erste Feuilletonseite der NZZ (18.11.2016). –
Da strampelt und schlaucht die "alte Tante von der Falkenstraße" und will diesen ihren Spitznamen in ehrlichem Bemühn loswerden und wird auch langsam selbst für Linke ein wählbares Abonnement – aber da! als möchten dunkle Dunkelmänner dieser Entwicklung dämmen, wird etwa, quasi zur Territorialmarkierung, in der NZZ regelmäßig "placieren" geschrieben.
Stefan Stirnemann wählte halt mit Bedacht

Im Nachruf auf Ilse Aichinger in der Süddeutschen schreibt Maidt-Zinke: "... beim Verfertigen ihrer Beiträge für den 'Standard', die sie im Café Demel auf Speisekarten, Briefumschläge, Rätselhefte oder Einkaufstüten kritzelte ... "
Ilse Aichingers Kritzeln auf die erwähnten Unterlagen ist richtig vermerkt, nicht jedoch der Ort: Sie schrieb im Café Bräunerhof in der Stallburggasse (ja, im bekannten Thomas-Bernhard-Café!). Oft, vom Nebentisch, habe ich sie verstohlen beobachtet und hie und da ihr zerknülltes Gekritzel aus dem Papierkorb geholt.
Ilse Aichinger im Schickimicki-Touristen-Demel? Schwer vorstellbar.

... nachdem man sich langsam aus der Erstarrung löst, liest man sich laut die NYT vor und greift vorzeitig zum Weinglas:
Here is what we do know: We know Mr. Trump is the most unprepared president-elect in modern history. We know that by words and actions, he has shown himself to be temperamentally unfit to lead a diverse nation of 320 million people. We know he has threatened to prosecute and jail his political opponents, and he has said he would curtail the freedom of the press. We know he lies without compunction.

Wenn Linke, Grüne und auch die SPD es stemmen: Der hässlichste Boulevard der mir bekannten Welt, Unter den Linden, soll Fußgängerzone werden. Barrierefreies Touristenfließen also, aber auch knapper Zugang für die Unersetzbaren VIPs zum Café Einstein – und dann: was soll mit den Porsches vom Hotel Adlon werden?

Ich war im Wald lustwandeln.
Die Entgegenkommenden teils, die Rennenden alle haben ihr Hirn kunstvoll mit einem iPod gegen die toxische Waldesruh geschützt

Mons, petite ville de la Wallonie, ohne Eigenschaft, Mons, chambre étroite nicht nur für Paul Verlaine. Dort starben mir einst die Piaf und tags dann Cocteau, Jean.

Wie ein Menetekel auf der Wolkenwand des milde nieselnden Nachmittags:
Das alpenländische Frauenzimmer im Dirndl mit weißen Söckchen – zweifelsfrei nymphoman. Man ist froh, aus der sicheren Warte eines Barhockers ihrem Treiben zuzuschauen

Das Blatt liegt da, ich nehme es, will Fantasiestücke zeichnen. Dann ist plötzlich Schumann da, Robert, und mein Impetus wird schläfrig

Der Oberhäuptling aller Thais hat den empirischen Königsdienst gekündigt und sich in den Aggregatzustand des Nirwana upgeloadet.
Derweil warten die Liebhaber des Audirvana immer noch schmachtend auf den Download der Version 2.6 ihrer Software.
Solche Nichtigkeiten übergehend sausen und brausen Donald Trump oder auch Viktor Orbán, der geliebte Führer der Magyaren, durch die bierigen Hirne ihrer Claqueure.
Und auch ich musste an diesem frühen Abend widerwillig zugeben, noch nie mit Apérol-Spritz geschnäbelt zu haben

Im Ennui regnerischer Sonntage zu wiederholen:
In den Volieren flügge gewordener Tweetschnipsel ist es ratsam, scharf zwischen Backhendl und Geier zu trennen

Was lobe ich mir plötzlich das subtile, fein ziselierte Spiel des Abegg-Trios im "Largo assai" von Beethovens "Geistertrio": Der Mann scheint sichtlich ergriffen – muss ich über mich selbst anmerken –, gar gerührt schaut mir aus dem Schminkspiegel des Apple-Laptops mein Gesicht entgegen.
Auf dem weiten Gelände der Einspielungen von Beethovens kunstvollen Trios dauert die Anhörung allerdings schon eine geraume Tour. Hier sei nur der Grund vermerkt für die jähe nächtliche Erschütterung: Vor der (neuerlichen) Rückkehr zur Anhörung des Abegg-Trios war ein Trio in Muscle-Shirts bei mir zu Gast: Das "Largo assai ed espressivo" der Herren Staier-Sepec-Queyras war nun mal ein besonders befremdlich hanebüchenes Dachbodengetrampel

Leider nein. Nicht länger. Lieber nicht. Olga Martinova und ich, wir trennen uns nach nur einer Nacht. Die Begegnung dauerte diese Nacht, sie endet nun still und einsilbig. Eintönig war sie ja. Somatische Wallung allerdings, das muss ich zugeben, war keine verlangt, schon als ich Olga Martinova aufschlug. Dabei griff ich Stunden vorher – in der Dämmerung des lauen Sommerabends – ganz gierig nach ihr, als sie mich mit Worten wie "Mörikes Schlüsselbein" vom Buchrücken herab ansprach.
Die Sätze aber, die sich später im Bett aus ihren Seiten schälten, waren in fünf Minuten löschbar. Freundliches Sprudelgeblase, leuchtende Leere, fahler Rasen

zwei Ratten granteln. Im Schutz des Lichtbruchs (die Kaimauer räumt den grauen Raum) ruhen auch zwei plumpe SUV. Das Dunkel: auf der gekrümmten Spiegelung ein Vogel – das Weiß schwebt mühelos. Und verschwenderisch trödelnd der dunkle Himmel über uns

und dann war die Bühne wüst und leer. Im Hintergrund, als gelungene Spiegelfechterei, lag ein vergilbtes Parkstück mit dünnbärtigen Bäumen, seitlich eine Blasen werfende spanische Wand. Im Orchestergraben die Honks aus dem zweiten Rang, in der Blase der Namenlosigkeit krauchend, schrammend an der Hülle. – Im nächsten Aufzug war dann fast alles verdaddelt: Bilder, Gebilde, BretterTakelage, eine echte Künstlerin mit geliftetem Kinn – all die sinnige Andeutung einer tiefen, tiefen Provinz.
Und ein Grill: Er richtete sich nen Storch zum Braten auf dem Grill

Der schwarzen Wolke wohnte – wohl schon farbbedingt – eine erhebliche Traurigkeit inne. Als irrlaufender Schatten, der gleich über die Hügel vorn herfallen wird, trug sie ihre Betrübnis verblüffend leichtfüßig

Zeit wäre es schon, dass jemand J. K. Rowling zuraunt: Mach mal n Punkt! Jeder Sequel des Potter-Kosmos ist nur neue Nährung für einen bald folgenden Spott (dies sei angemerkt zur Zeit des für September 2016 angekündigten "Harry Potter und das verwunschene Kind")

In der Dämmerung wird Farhad zum Mörder. Jetzt ist erst Nachmittag, auf der Karstadt-Seite ruft die Staatsraison zur Andacht, die Neuköllner Seite gegenüber lässt sich von der Sonne anbuffen. Kamal, Rossschwanz, die Unterarme nebeneinander als trüge er immer noch Handschellen, betrachtet, aus dem U7-Schacht steigend, eine schwer graue Wolke. Der Halbmond, spitz, dräut aus dem Kottbusser Damm, roter Fahnenstoff, emblematisch, Nabelschnur Erdogans. Karstadt, das Kaufhaus – letzte Komfortzone vor den ab hier folgenden Unwägbarkeiten der Stadt. Hermannplatz – PhatSpleen aller Art

Ein Hirnstrom ist ein Hirnstrom dessen delikates Endprodukt allerlei närrische Aktionen sein können. So fand ich mich gestern, vom Norden einfallend, auf dem Baseler Marktplatz wieder – die Absicht war jedoch, nur leicht daneben, in Colmar, wieder einmal den berühmtesten Zeigefinger der Kunstgeschichte zu grüßen.
Statt Colmar schlenderte ich nun die Gerbergasse hinauf und setzte mich in die Halle. Nicht viel hat sich geändert dort: die zwei Teile der Bar "fumare – non fumare" sind gesetzeskonform verschwunden, die Bücherdeponie zur freien Mitnahme noch da. Zum Wein blätterte ich aus diesem Fundus in einem offensichtlich selbstverlegten Heft: "Roger Monnerat: Eine Art Morgenmantel ultramarin ... Unikat im marie sandkorn verlag, 2. Exemplar, Basel 2013". Auf dem Deckel wars unübersehbar handschriftlich signiert mit "Roger Monnerat".
Für Monnerats Gedicht "Ödipus" – ich darf da mal draus zitieren: "schöne, junge, verführerische BIKINI-Mütter ...", sicher famos und krass originell – möchte ich doch noch vermerken, auch zuhanden kommender Monnerat-Werke: Suffragette schreibt sich mit zwei "f"

Die Stille: ein lichtwildes Gestöber in allen Registern. Gleich Augenlicht, das nach innen gerichtet den Schlaf sachte versprachlicht

vor dem Col de l'Éclipse kappte ein Starenschwarm die Sicht. Um die Felsenhöhe, noch in der Spitzkehre fahrend, kam dann die Warnung vor dem Splatter, lauernden Springerstiefeln mit Messern in den Schäften. Nervös tippte er auf dem iPhone 6s die Adresse seines bevorzugten Modeberaters (phalanx-europa.com) – und lehnte sich erleichtert zurück: Im Gedudel des Neofolk blickte er noch einmal auf sein Outfit hinab: kein Zweifel, er und Martin Sellner auf dem Display, sie beide trugen das gleiche T-Shirt "Nietz - Che"
Als Sportsgeist am Steuer seines SUV einte er darauf gefühlvoll seine Hände spitz zu einem gotischen Spitzbogen. Und legte sie gleich ermattet über dem Spitzbauch ab: Für was noch Blut aus dem Ruppsack!
Dann legte er den Gang ein und machte ohne Angabe von Gründen kehrt, schoss hinab in einer schusseligen Identitären Bewegung

und zog das Wasser über sich: ein Daunenbett (wärmender Fluss, fetter Teller) – das bloß kein Glied raushängt! Das Hirn dabei noch trocknen Fußes auf das Karstgebirg gerettet. Dafür hier mir nichts, dir nichts, plötzlich alles voller Mücken. – Da, inmitten der neugierig dreinschauenden Schar, holte er ein Fleischmesser: Blut für euch, Volk, Mückenblut, grinste er

Ein Nebensatz trieb den anderen. Der Vogel sass, in der kurzen Pause hinter dem Komma, mit dem Rücken zum Geschehen. Jagte dann unvermittelt mit weichen Rülpsern dem eigenen Schatten nach

Wenig hilfreich: Der streunende Schmetterlingsfänger mit seinem Kescher – wenn er den Gedanken (die zum Teil mit gezückter Klinge keimen) nachschleicht

der Kopf durstet, nicht das Hirn. Unter den jielenden Möwen wird das Salzwasser flügge: Schwebendes, gemächlich. Ins Gesicht klatscht endlose Freude, ich brabble gegen die Brandung, grummle an die Gischt – dieses laxe Wellenlecken am globalen Azur, oder: Himmelskuppel, gebieterisch. Später lahmes Nachmittagsgemetzel einer großen Stille während auf der Zunge träge die Sterberaten zergehn

Noch in der Nacht hörte ich Gretchen am Spinnrad, nun steht das Wasser scharf in der Innenstadt. Eine Neer um jeden Hauseingang. Klingeltafeln, auch Ratten, wirbeln im Strudel – die Blicke, selbst vorsichtige, ratlos. Namen und Ratten angestrengt auseinander gehalten, und doch kommen in der Gegenströmung auch Nestlinge um. Alles Geplante verliert sich im Gegurgel, aber in den Fluten kein Fisch, auch keine Hirse und, natürlich, kein Devisenspiel (Gretchen am Spinnrad – war das Gerhaher?)

Nuria wünscht sich eine Vierteltontastatur. Dann vor dem Hinsetzen engert sie den Gurt – und dem freien Loch entströmt fein knisternd die Erleuchtung

vielleicht hat Shosha Ritzmann recht, wenn sie mit dem FBexit kokettiert.
Biederkeit, Stumpfsinn, Stupidität, Sofaeinfalt – wo ich auch in Facebook lande.
Ich schaue mal wieder rein – und bekomme prompt ein lächelndes Pipigesicht, gepostet von wonnig-vereinnahmender Mutterliebe, mit dem hochgescheiten Beitext "... my love, My lovely daughter"

nach etwa zwei Stunden im Jirglschen „Abtrünnig“ – will ich nett sein. Ich schreibe: Um den Duden zu verficken, braucht es keine 500 Seiten. Arno Schmidt hat es ihm ja vorgemacht, fünfzig Jahre ists her, da kann Reinhard Jirgl noch so klischieren – so wie der Solipsist in der Heide wird er nie und nimmer können. Da gibt es Jirgl-Seiten wo es nur sanft mayröckert („1 Morgens“) und – ganz hübsch! – eine Handtuchkugel gar zu Yorick’s (sic!) Schädel wird …
Ich blättere mal weiter. Vielleicht finde ich was Relevantes über Berlin, über jene Zeit als ich da ankam. Hoffe bald auf „1 Höhepunkt“ (O-Ton Jirgl), denn sonst wird dieses Hanser-Buch unweigerlich von mir scheiden

völkerverbindende Vorurteile (hohe Backenknochen gleich Slawen, flache Hinterköpfe gleich Jugos und Albaner und so fort) sind so unerfreuliche Fabrikate menschlichen Geistes wie etwa Gott.
Deshalb auch schweigen wir lieber über das Haupt des Individuums.
Im Brennpunkt einiger Minuten, gefüllt mit Welt und Erdkreis und Ortsgeschichte, stand er, um die Balance kämpfend, auf dem Fenstersims wie ein dostojewskijscher Antiheld. Um seine Beine kreiste, den Heros gering achtend, eine fettig glänzende, grünlich schimmernde Schmeißfliege.
Der Platz unter ihm verbog sich in Ungeduld. Die Frauen, in ihren Dekolletees, die Wangen zur Sonne, die Augen auf ihm, knieten in seiner Sichtweise auf den Katzensteinen. Er saugte an ihrer Aufmerksamkeit, während die Schmetterlinge langsam an seinem Bauchspeichel abtanzten. Mit jeder Abluft aus seinen Lungen schäumten seine Lippen leicht.
Dann wischte die Putze über die Mattscheibe. Das Jahr drehte sich weiter und ein Finger pulte wieder in der gastlichen Schleimhaut der Nase

unter dem Titel "Berlin" bemerkt und vermerkt die Süddeutsche Zeitung, dass "in Kreuzberg wieder gegen die Gentrifizierung demonstriert" wird. Dann folgen etwa 20 Zeilen über das Etablissement "Revolutionsbedarf" (dem ein neuer Hausbesitzer gekündigt hat). Abschließend hält Verena Mayer fest: "Man verlässt den Bezirk mit dem dumpfen Gefühl, dass Kreuzberger Nächte bald wieder lang sein könnten."

Twitter fordert mich auf, auf Twitter "süße Katzenfotos zu teilen" – Kaum dies auf Facebook publik gemacht, erschlägt mich eine selbsternannte Jungliteratin mit einem solchen Foto süßesten Viechs. War gezwungen, la jeune fille en fleurs aus meiner Liste zu streichen

Die sog. klassische Musik (ich meine da eigentlich immer die Kammermusik) wird ausgelacht, mit Spott gepeinigt über ihr silberhaariges (seien wir aufrichtig: tattrig-seniles) Auditorium.
Ich gebe zu: es ist wahr, es trifft zu. Denke ich an die leicht fadenscheinige Kleine Tonhalle der Stadt Zürich und blicke ich dort in einer Konzertpause ins ebenfalls fadenscheinig erscheinende, gesittet murmelnde Publikum – das Altenheim ist eine angemessene Bezeichnung.
Nur: mit der Erwähnung dieses Schweizer Städtchens haben wir Europa nur angetippt – noch lange nicht abgehandelt!
Schleiche ich mich denn in Wien, im Brahms-Saal des Wiener Musikvereins, von meinem schäbigen, drittklassigen Platz etwa in die elfte Reihe, habe ich zwar zu meiner rechten eine Gnädige mit Collier (die mich kurz, das Nasenrümpfen verkneifend, taxiert), zu meiner linken aber sitzt plötzlich eine blühend-junge – wahrscheinlich – Osteuropäerin.
Und dann hier, quasi nebenan, wo ich nach einem Konzert kaum zehn Minuten bis zum Haus laufen muss, im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie, bei dessen Mächtigkeit die zwei vorerwähnten Säle so was wie Erdnüsschen sind – ein juveniler Run, ein Sturm der Jugend setzt ein die Treppen, die Reihen runter auf leergebliebene Plätze – drei Minuten vor Konzertbeginn.
wo also die Vergreisung?

In jener grauen Vorzeit als es zwar schon graue Listen gab, aber die Schattierungen des Graus noch nicht als geile Lektüre galten, in jener alten Zeit als Webseiten nur farbenprangend wie ein afrikanischer Markt, CSSgeregelt mit Sprymenüleisten, Hotspots, mit Rolloverbildern beladen als geziemende Schnittstelle zum geneigten Betrachter galten – pappte ich "poètes-maudits.de" zusammen.
In der Tiefe des weißen Raums wollte ich nur schwarze Zeichen.
Nun lese ich, dass der Schweizer Pascal Deville so etwas "Brutalismus" nennt und einige Beispiele dafür auf "brutalistwebsites.com" dokumentiert. Bei der Betrachtung seiner Sammlung bleibt mir nur festzustellen: Meine frugale Site ging wohl ein Schrittchen weiter. Und "Brutalismus" ist eh eine unzutreffende Bezeichnung. Vielleicht hat das mit Devilles Job zu tun – er ist halt in der Werbung

Polen, Kubaner, Waffennarren und Lastwagenfahrer schwenken verzückt die Stars & Stripes. Andere haben so ihre Bedenken, vor allem in Erwartung des nächsten 8. November. Marie-Astrid Langer klärte in der NZZ treffend dies Unbehagen:
"Die Alternative zu einem rassistischen Choleriker ist eine schlitzohrige Manipulantin."

satt wird man nie, wird schlicht nicht dösig, ein Überdruss ist undenkbar:
Bachs Sonaten & Partiten für Violine solo, diese "Sei solo a Violino senza Basso acc.", diesen Kosmos allen Seins hört und hört man, hört in der Deutung, in den unzähligen Lesarten (Hahn, Faust, Mullowa, Heifetz, Kuijken, Holloway, Kremer, Millstein, Szeryng – und wer da noch auf der Festplatte gespeichert), und glaubt jeden individuellen Kniff, jede Phrasierung in den Interpretationen zu kennen – und dann ist plötzlich eine neue Einspielung da und man lauscht und staunt schon ein bisschen: Midori Seiler bei Berlin Classics

Die Malaise meldete sich um die elf Kilometer über dem Ägäischen Meer. Es war ein Unwohlsein, unleugbar, ja, es war ein vornehm dezentes Unwohlsein. Frust. In der Hoffnung, dem nervigen Missgefühl zu entwitschen, rutschte ich die leere Reihe vom Gang bis zur Luke, und blickte mit forciertem Interesse hinunter auf die kahl-bräunlichen Inseltupfer in der Bläue des griechischen Meers.
Doch auch dieser Postkartenblick nützte nicht: Frustriert bis zum Knirschen der Zahnreihen gestand ich ein: In der unermesslichen Spannbreite menschlicher Lust wohl nur ein Langweiler, ein Spießer, ein Biedermann zu sein, dem alle genossenen Pornofilme, alle durchgeblätterten Erotikschmöker nicht jene kirre Klimax beibrachten, die im schweizerischen Tages-Anzeiger (im Flugzeug lag er auf) in einer Randspaltenmeldung beschrieben stand:
Ein Lehrer soll wegen sexueller Handlungen mit Kindern verhaftet worden sein – er hat Mädchen, von 3 bis 11, dabei gefilmt, wie sie ihm ihre Zunge herausstreckten.
Welch verspielt-sinnlicher Genuss, mir unbekannt! Ein tumber Lämmerschwänzchen bin ich wohl. Nie rauschte mir beim Anblick einer rausgestreckten Zunge die Geilheit wollüstig durch den Unterleib!
Frust. Ich rutschte zurück auf meinen Gangplatz. Überließ mich dem Brummen der Flugzeugmotoren.
Plötzlich aber war eine alte Szene da: Honig aus dem Innern der Schweiz und Zungen hie wie da – ein Zungenreden ganz nach üppigem Geilsein.
Na ja, das war halt mal

Ob Frau Bayram schon mal die Abluft eines brennenden Autos eingeatmet hat, frage ich mich. – So lange ist es nun auch nicht her, dass ich eine Wohnung in Der Rigaer Straße mieten wollte. Mehr aus Nostalgie als Sympathie, schließlich war Friedrichshain meine allererste Berliner Adresse. – Nun brennen die Autos auch dort. Und die bekannte Grüne Canan Bayram findet, dass die Polizei dabei nur die Anwohner schikaniert.

Was ist Muße? Die Stunden, die Tage im Sitzen rinnen zu lassen? vom Schreibtisch aufs dörfliche Grün der Weinegg zu schauen und zu schauen auf die üppigen Sommerkronen der Bäume auf dem Burghölzlihügel? zählen die Fenster auf der Fassade der Stephansburg? sich im düsteren Grün der Albiskette drüben zu verlieren?
Das Theorem von der Kürze des Lebens, die tatsächliche oder eingebldete, sans gêne dem Kopfschmerz der Zeitbessernutzer zu überlassen

Wir befinden uns – unkt man – in der Sterbephase der gedruckten Presse.
Von diesem Todeskampf des Zeitungswesens, vor allem von der Agonie der Qualitätszeitung merkt allerdings der gemeine Zeitungsleser recht wenig.
Außer: Er liest die "Süddeutsche Zeitung".
Dort bzw. darin wird uns nämlich der Verfall Tag für Tag anschaulich & packend vor Augen geführt: Druckfehler und wieder Druckfehler, kein Absatz ohne Druckfehler. Heute auf "Seite Zwei" eine Infografik mit einem konfus dargestellten Osteuropa. Vor paar Tagen eine Infografik, worin die Donau als Theiss bezeichnet wird (Forts. folgt)

... statt zwischen den Flughafenläden zu cornern begab ich mich nach dem Zoll zur S-Bahn. Und da, darin, noch vor dem S-Halt Stadelhofen begab es sich, dass mich aus heiterem Dösen ein greller Gedanke durchzuckte: Das Brot! Ich habe kein Brot!
Nach dem ersten Schock, in ruhigerem Fluss, fiel mir ein, einst im Züricher Volksblatt in einer ansonsten farblosen Eloge "vom besten Brot in Zürich" gelesen zu haben, das man am Stadelhofen bei einem Engländer bekommt. Diesen Engländer habe ich dann vorwitzig aufgesucht. "John Baker Ltd. Zurich" oder "John Baker for Our Daily Bread" gab mir ein Brot in Form einer größeren Schrippe, sagte, es wäre Sauerteig und verlangte fünf Schweizer Franken dafür.
Mit zunehmenden Jahresringen meint man, es gäbe nichts mehr, was einen schocken kann. Wenn man aber aus Berlin kommt und dort sein Sauerteigbrot für einen Euro das Kilo bekommt – ja, was dann? Vielleicht sinniert man über die reichen Schweizer, denen man jeden Preis andrehen kann.
Und der Geschmack des John-Baker-Brots? Sorry: nicht besser (auch nicht schlechter) als das Sauerteigbrot aus einem Berliner Lidl-Markt

wie aus einem ungesund langen Verbleib in grau dräuenden Wolkengebilden plumpste ich unverhofft und weitab vom täglichen Verkehrsfluss auf der von Gott und aller Gegenwartsnähe verlassenen Insel der Schweizer Orthographischen Konferenz.
Keine Ahnung mehr wie ich da hinkam.
Neugierig und vorwitzig blätterte ich auf dieser SOK-Website. Ziemlich überrascht las ich einen einsamen Nachruf auf Jürg Ammann, verfasst von "Dr. phil. Pirmin Meier, Autor, Beromünster" – einsam, weil ansonsten kein anderer Todesfall aus der Schweizer Literatur vermerkt wird (es gab nämlich einige Abgänge).
Belustigt las ich weiters kreuz und quer durch die Vorschläge dieses verschworenen Vereins zum rüstigen und reinen Deutsch (etwa crèmig statt kremig, placieren oder plazieren statt platzieren, Mujahedin statt Mudschaheddin usw. usf.)
Irritiert, ja ziemlich verständnislos las ich auch in der "Liste der Gründungsmitglieder" den Namen des rechtsgedrillten Züricher Notablen Filippo Leutenegger oder des ebenfalls stramm rechts fechtenden Pop-Popularisten Oskar Freysinger.
Verblüfft aber, so richtig nach Tenor, hat mich die Entdeckung von "Dr. Serge Ehrensperger, Winterthur" in dieser Liste. Abgesehen davon, dass Serge bereits gut ein Jahr tot ist – und dieser sein Tod von den Schweizer Orthographen sicher nur pietätshalber geheim gehalten wird –, kannte ich Serge Ehrensperger als einen, dem rückwärtslaufende Kultur-, Sprachpolitik ein Gräuel war.
Jetzt kann ich ihn nicht mehr fragen. Dabei wär ich doch ganz gern mal wieder nach Winterthur gefahren

Rainer Stadler von der NZZ berichtet in der NZZ über die Beschwerde eines Schweizer Fernsehkonsumenten: In einer SRF-Sendung wäre der FPÖ-Kandidat Norbert Hofer in nur vier Minuten siebenmal als "Rechtspopulist" oder "rechtspopulistisch" bezeichnet worden. Das hätte den Zuschauer an Gehirnwäsche erinnert. – Armer durchgewaschener Hofer-Fan

Auf 400 anspitzenden Seiten erforscht-erläutert der Liedsänger Ian Bostridge Schuberts "Winterreise". Nur im Text zum dreizehnten Lied "Die Post" fand ich, da muss man wohl motzen: Bostridge zitiert aus Alfred de Vignys Gedicht "Le Cor" (1826, quasi zeitgleich mit der "Winterreise") "que l'écho faible l'accueille / Et que le vent du nord porte de feuille en feuille" und bietet dazu die Übersetzung: "Lass' es den Abschiedsgruß des Waidmanns durch die Blätter / hinsäuseln echoreich mit sterbendem Geschmetter". Eine Zeile später wird die deutsche Übersetzung noch schmalziger: "Vignys Evokation von 'les airs lointains d'un cor mélancholique et tendre' (O laßt bei euch mich ruhn, und durch der Wipfel rauschen / von fern des sanften Horns schwermüth'ger Weise lauschen!) ist die poetische Verkörperung ..." – Ein Übersetzer wird übrigens nicht genannt, auch nicht im Literaturnachweis

Heiner Müller am Poesiefestival Berlin gewaltsam in Schuberts Winterreise gezerrt – man fühlt sich direkt zu Rufschädigung gedrängt: Haben die Veranstalter etwa den Heiner mit Wilhelm Müller verwechselt? (Literaturwerkstatt Berlin)

ach, fast vertrunken. In Berlin ist Biennale. Die neunte. Im Moment stehen wir darin, in der Akademie der Künste. Vor uns, vor dem Unisex-Klo, hat sich ein Rihanna-Klon den Ausstellungsflyer über die Brüste gehängt: "Stop looking at me like I'am the future". Das "the" hat sie von Hand durchgestrichen und "your" darüber gekritzelt

Das ist schon mal beruhigend: ein langfädiger Regen.
Lichtbilder kommen über die Jahre, chamois, mit gestanzten Rändern, darüber immer Worte wie kreisende Geier.
Unwillkürlich zieht man die Ärmel übers Handgelenk.
Die Dezenz des Lippenrouges, der Mund ein Marabu – und mein Wurzelrettich dort in der Kehle. (Marabu: erhobener Islamistenfinger!)
Gefühle bleiben Bückware, lindes Wellenschlagen – eine hochgewürgte Empfindung wie der sehr ähnliche Satz: Das Herz ist ein Flurschaden. Oder: Das Herz ist ein hölzerner Pelikan.
Wie auch: ein schwummriger Nachmittag: Klappmesser springen auf, ein Gott will über die Zebrastreifen, der Himmel bleibt ein aushärtender Grauschrei.
Rausbrechen eines Stücks aus diesem Geschrei.

So ein Eiertanz! So eine Jonglage! Helmut Maurós Musikkritiken kann ich normalerweise vertrauen, beipflichten, ohne sie zu hinterfragen. Nach seinem Text "Rattle & Haydn" (SZ 28.5.2016) bleibt jedoch ein mokierendes Lächeln zurück: Mauró zeichnet Simon Rattle als "umsichtiger, detailscharf reagierender Dirigent – ein höchst vitaler Musiker mit Verstand", um dann im Dirigat von "Die Jahreszeiten" von Unschönem zu berichten: "... waren die Sänger aber dann doch nicht mehr zu halten, gerieten wie auch das Orchester in gröberes Fahrwasser. Wenn Haydns Naturzeichnungen aber ständig als Weltuntergangsgewitter daherdonnern, dann verliert nicht nur der Paukendonner an Wirkung ... Haydns feiner Esprit wird zum platten Klangwitz." – Seine Kritik schließt Mauró mit einem Seufzer und dem Wunsch nach einer Referenzaufnahme.

man hortet Lichtbilder und hofft, sie später sich reinzuziehen – zu trüber Abendstunde womöglich und innerlich mit gebührender Rührung. – Konkreter Anlass zu dieser Verlautbarung: Wühlend in einer Schuhschachtel voller Fotos (vordigitale Zeit!) stiess ich auf Schulklassenbilder, die mich während des verweilenden Betrachtens (ach, der Jüngling, ich! etc) unerwartet an eine obskure Theorie der zeitlichen und örtlichen Ballung von Markantem in gewissen Schulklassen erinnerten – unter all den Teeniegesichtern konnte ich doch erkennen:
einen späteren Außenminister und US-Botschafter (heute erzreaktionärer Nationalist)
einen Präsidenten der Schweizerischen Chemischen Gesellschaft (auch ein in der Wolle gefärbter Philister)
einen Schriftsteller und zwei Dichter
einen Anime-Künstler mit Staatspreisen und, not least, einen Mörder (nach Art des Carlo Gesualdo da Venosa)
Mehr gab das Lichtbild bzw. mein Wissen nicht her, meine Suche nach weiteren Lichtgestalten in der abgelichteten Burschenschaft war leider vergebens

Im ungemein sterilen und unanständig langweiligen Hochglanz-Journal der Uni Zürich ("Die Campus-Zeitung der Universität Zürich") treffe ich in einem Preislied auf Philipp Tingler auf das Wort "taff". Noch immer, nach so vielen Jahren, schrecke ich auf bei der eindeutschenden Schreibung von "tough" – und suche im Satz nach einer Bedeutung mit "zäh" oder "hart" oder dem jiddischen "toff"

schon eine Weile her, womöglich Jahrzehnte, dass ich Brahms' Brief an Clara Schumann las: "Die Chaconne ist mir eines der wunderbarsten, unbegreiflichsten Musikstücke. Auf ein System, für ein kleines Instrument schreibt der Mann eine ganze Welt von tiefsten Gedanken und gewaltigsten Empfindungen. Wollte ich mir vorstellen, ich hätte das Stück machen, empfangen können, ich weiß sicher, die übergroße Aufregung und Erschütterung hätten mich verrückt gemacht." – Das Zitat habe ich damals überflogen, nicht "gelesen", nicht erfasst. Heute, beim Hören der Chaconne aus BWV 1004, darf ich – mit fürs 21. Jh. geziemender Coolness – von einem jeweils wieder aufziehendem Gefühlsorkan sprechen, egal ob ich dem Spiel von Szeryng oder Heifetz oder Kuijken oder Faust oder Holloway oder Hahn etc. zuhöre

Das Regenpochen ohne Regeln, dies arrhythmische Trommeln schlaucht den Geist: zwischen Gehalt und Losigkeit ergießt sich schnell ein platter Tintenteich – und welcher Prophet schwebt dann heran über den Teich und zaubert uns seinen kalten Kaffee aus dem alten Hut seines Gottvaters?

Der Weg übersät mit abgetragenen Blessuren, blauen, schwarzen. Schutzsuchend ducken sich die Erdhügel in die nahende Nacht, Grabhöcker mit eckigen Grimassen, indolent.

Die Würde toten Laubs im Griff des Winds (Friedhof Jerusalem, Seite Baruther Straße)

Der scharfe, hinterhältige Duft: ein vordergründig potenter Rosenbusch. Vergeblich beklopft

Elodie Pong: Selbst der Kunstkonsument guten Willens verlangt hinter all den leeren gebeamten Floskeln, hinter den vidiotischen Modern-Dance-Kindersprüngen beim eiligen Verlassen der Ausstellungsräume unverzüglich nach einer fetten Mahlzeit mit vollen Gläsern Wein. Und hofft, all das sterile Weiß, Pink, Lila nicht mit seinem Schuhabdruck verunreinigt zu haben

hinter der Bretterwand singsangte eine Jungfrauenstimme vom Zockeln der Heiligen Familie durch die Wüste heiß und kahl. Ich stand diesseits der Bretter, lauschte der salbungsvollen Stimme und kämpfte mit Niesreiz. Stand zwischen Kinderschuhen, ordentlich hingelegtem Winterkleid, im Waldorf-Steiner-Kindergarten zum Kindabholen bereit. Eben wollte ich der aufdringlich juckenden Nasenschleimhaut nachgeben, da schoss die Stimme hinter der Bretterwand kalt und scharf: Kannst du nicht ruhig sitzen, Ele! – um gleich darauf wieder ihren weihevollen Klang mit Jesuskind usw. einzunehmen. – Marie Bäumer in der SZ: "... Die Waldorfschule hat mich nachdenklich gemacht ... manchmal denke ich: Die Anthroposophen sollten mal ein gemeinsames Bad im Champagner nehmen, das würde ihnen guttun"

Said, der zart-zartfühlende iranische Lyriker in Westeuropa, begrüßt den Himmelfahrtstag in der FAZ konzis in vier Zeilen mit Rindermuhen, Mitternachtsvögeln, die den Schnabel halten, und – als Glanzpunkt und Knaller – dem nicht weiter präzisierten Wort: Staatsvernunft

"... nobel, groß, deutsch" – da stockt man doch beim Lesen dieser Worte aus dem Mund Menuhins, von Eleonore Büning in der FAZ wiederholt. Menuhin soll mit diesen Worten 1994 die deutsche Tradition des Geigenspiels bezeichnet haben

Die Kritiken waren allesamt gut bis begeistert. Den Kritiken nach war dies auch das Premierenpublikum. Der Untertitel "Ein Liederabend" verzückte den romantischen Lied-Freund, der sich eines Abends freudvoll erregt in die erste Reihe auf dem Balkon setzte. "Wer hat Angst vor Hugo Wolf" im Züricher Schauspielhaus war dann ein Klamauk, ein Broadway-Varieté, ein Rien, neunzig Minuten Augenweide – aber kein Ohrenschmaus. Neunzig Minuten lang horchte er in der Annahme, gleich würden noch Reste eines Hugo-Wolf-Lieds aus dem Buhei auftauchen, aus dem dürftigen Singen der notabene formidabel spielenden Frauen. Statt Lied gabs als Vokalstückchen wohl platzierte hysterische Schreie. Diese wiederum waren keine Überraschung: ging doch der Szenenmetteur Herbert Fritsch einst durch die Schule der Berliner Volksbühne

Das Angebot war verlockend, das Angebot ließ nicht locker, es zirpte weiter im Kopf, ein Angebot, das man, wie man sagt, nicht ausschlagen konnte: An der Linienstraße bei Neugerriemschneider zwischen schwebenden Ballons der Geburtstag des neuen Genies Tobias Rehberger. – Üblicher Eitelkeitsjahrmarkt

Kreuzberger Widerstandskämpfer und zugewandte Guerilleros – Achtung! Die heutige SZ urteilt über Sarrazins neues Buch: "possierlich, furchtbar und gut". "Sarrazin flüchtet nicht in abgedroschene Metaphern, mit denen mittelmäßige Autoren gerne übertünchen, dass sie eine Materie nicht durchdrungen haben. Es schreibt hier auch kein Wutbürger, der sich den Klischees über Politik sowie Verschwörungstheorien ergibt; im Gegenteil. Hier vertritt ein Autor legitime Positionen, die für seine Gegner schon deshalb von Wert sind, weil sie daran ihr eigenes Urteil schärfen können."

Es roch nach verbrauchtem Öl und Rasierwasser. Er stand mit dem Gesicht zur Wand, sein Blick folgte Linien, die sich wie beischlafwillige Paare verhedderten, er suchte das Ästhetische in dem Geschlingel dieser Sure, die goldgerahmt von der Decke hing. Beharrlich suchte er nach Sinn und Erlebnis – während hinter ihm der Araber an seiner Bestellung briet. – Draußen, die letzten Häuser der Friedrichstraße vor dem Mehringplatz, war die Welt bereits in einem teigigen Dunkel versunken, die Lichtstreifen stumpfe Klingen, die Schatten huschend in somnambulem Phlegma. – Das Huhn war verbrannt, das er dann zu Hause auspackte.

nicht dass mich Thomas Glavinics literarische Geistestaten je erfreut hätten. Zwischen seinen Zeilen hörte ich die stete Bereitschaft, den Mittelstinker hochzuzocken, aus einem Miko einen unauffälligen Macho zu bauen. Heute lese ich: Schusswaffen liebt er auch. Wie man sich nicht täuschen kann

das eine Bein belasten, dann, mit Bedacht, das andere: skrupulös rumhängen am Kottbusser Tor, unter der S-Bahn, im versifften Fluidum von Berlins bösester Blume des Bösen. Warten. Wie all die Nordafrikaner ringsum wartend ratschlagen, ob bei mir antanzen oder dealen erfolgreicher. Bevor zwei antanzen, mich vierfach abtastend umarmen, gehe ich über die Skalitzer. Betrete die Apotheke, weiß nicht, was dort soll und blicke ratlos in die Einfalt eines Kopftuchs

Die Hutzel wuchs in Zeitlupe aus der Ottomane, abgenabelt vom Alarm. Während dieser Wegstrecke von Sekunde zu Sekunde, zu Minute muss jemand die Noten mit einer weichen Brotkrume aus dem Melos getunkt haben

verrückt, der vom Stamm abrückt: hadert mit den Kastanien der Honk, wagt im flutenden Licht die Volte

"Der Rezipient, nicht der Produzent, macht Kunst zur Kunst" (Daniele Muscionico, NZZ)

"Introvertierte reagieren empfindlich auf Schreibfehler", lese ich in der Süddeutschen Zeitung. Endlich weiß ich, warum ich auf Orthografieblessuren so pikiert reagiere

abgewürgt durch die quallige Osternzeit (Oratorium und Fische, h-Moll-Messe und Eier): fast ganz das Facebook-Quackeln vergessen

Bruxelles, rue da la Loi, nach dem Métroattentat (zwischen Station Schuman und Mérode). Im Hintergrund der Eingang zum Parc du Cinquantenaire mit dem Triumphbogen (darauf der Quadriga), den sich Leopold II errichten ließ – um auch so was wie ein Brandenburger Tor oder Arc de Triomphe zu haben. – Vorvorgestern (jedenfalls vor einiger Zeit) lustwandelte ich noch darunter durch in den Park hinein, das Händchen hold & heiß meiner vierten Liebe haltend. Und ich weiß noch, ich sagte: Das also ist unser erster Streit ... Warum ich dies sagte, was der Grund des Streits war, das hat, ums beschlagen zu sagen: Lethe versoffen

und plötzlich die Wiederaufnahme dieser Reise / wie eine nasse Detonation in der U-Bahn / ein abergläubisches Weißfischzeichen

den neuesten Landraub an palästinensischem Boden durch Israel nennt die Neue Zürcher Zeitung (18.03.2016) in einer Titelzeile "Landnahme". – Derart scheinheilige, perfide, verschlagene Formulierungen erinnern einen unwillkürlich an die Presse der NS-Zeit

Die Fußball-Mafia ließ sich dadurch nicht nerven: Eine Flugbahn so weit oben über den Dorffußballrasenhalmen. Dabei, mal ehrlich, er ist doch recht nah an Sitten vorbeigeflogen, nicht wahr. Aber den huschenden Schatten übers Auge gleich als Dorn im Auge zu bejammern – ach, stört doch die ehrenwerten Transfers nicht! – So besinnlich klaubte ich die nasse Wäsche aus der Trommel, horchte eine Weile in die Stille zwischen den Leinen, machte die Libido und den linken Arm frei, blinzelnd durchs Kellerfenster in ein winselndes Nachmittagslicht

7 cm über Parkettniveau: die Zeit saß mir am Futonrand. Kauern musste sie natürlich, soweit unten, mit ihrem angegessenen Bauch. Luzide frühe 3 Uhr waren es und schaumgeboren war die Dämmerung erst im Traum. Da trat die Zeit – sich erhebend – voller Häme mir ans Schienbein, das entblößt und nichtsahnend aus der Decke ragte

Ein Megadadastammler unserer Tage, die wir eben durchleben, ist Peter Rech. Der uns als "Dame hoden händige Händlerin" bis zur geistigen Umnachtung enthusiasmiert und seine Kacke auch noch als "Philosophische Landschaft der Sprachlosigkeit" in unsere Bibliotheken schmuggelt (www.passagen.at)

habe im HimmelsBlau des Anton Erni flaniert. Wußte nie so recht, träum ich oder bin nur angebläut. Sicher war: fremde Wörter sind für dessen Korrektorat.ch nicht immer der Beachtung würdig (Mesages, Van Gogh und andere Nachlässigkeiten)

das Müde breitet seine Tücher über der Rabulistik aus: Sprache, wie sie nach zweimal Wein spricht. Rotes Raunen, mehr mund- als ohrgerecht. Huld aber im Niedersinken der Finger, die vorgespreizt

Auch wenn fast 15 Jahre zwischen den beiden Einspielungen: Hilary Hahn spielt die Ciaconna aus BWV 1004 mit Emotion, gefühlerfüllt, ohne gefühlsbetont zu sein, während Isabelle Faust 2010 fast schon nonchalant zupackt

Ja, die große Frage der Menschheit. Ja. Leider wurde die Genehmigung zum Abdruck vom Rechteinhaber hier nicht erteilt. Dabei ists doch nur Gesülz, n'est-ce pas

Nach dem desolaten Vortrag durch Yvonne Naef (Mezzosopran): Schuberts Winterreise ist definitiv für Männerstimme. Allenfalls, wenn kein DFD, kein Goerne, kein Gerhaher zur Hand, die alte Einspielung mit Christa Ludwig (und James Levine)

Der Biotop der deutschsprachigen Lyrik ist ein Hollywood-Film

Das Loch im Haustor. Schwarze Einheit, Höhe so Taille. Rebus, mit boshafter Frage nach der Lösung. In der Nachtschwärze, die arg das Auge blendet, eine rotzige Herausforderung: Die Suche nach dem Schlüsselbund in Taschen, die unvertraut untergebracht nach dem letzten Event-Dresscode

Zwei Unworte, vor allem wenn sie als Paar auftreten: Gott und Vaterland

Samtener, tagheller Traum im Raum: Der Flug der Daune in der Luftschwingung. Ein feinsinniger Film – wenn nur die grelle Polizeisirene schwiege

Diese stets laufenden Nazivergleiche! Was, frage ich mich zum Beispiel, unterscheidet Orbán, Kaczynski und die anderen Osteuropa-Popanzen vom Hitlerfaschismus? Richtig: der schrill verneinte Rassismus. Alles andere deckt sich passgenau mit dem Vorgänger-Vordenker: Der Rechtspopulismus, der Chauvinismus, der Wohlfahrtsnationalismus, die Dolchstoßlegenden

Esther Maria Häusler hatte einst Geschmack. Heute ist sie mit einer grauslichen Homepage unterwegs im Netz. Und der Urheber der Site signiert auch noch mit Namen, während die Schamröte sich überall auf der Seite ergießt, nur nicht auf seiner Visage

Honni soit qui mal y pense: Jahre, ja Jahrzehnte wurde jeder seiner Tastenschläge auf den NZZ-Kulturseiten nobilitiert. Sorgsam, des Lobes voll rühmte Feuilletonchef Martin Meyer die Konzerte des Sir András Schiff. Nun hat sich Letzterer revanchiert und Martin Meyer den Ludwig-Börne-Preis verliehen. Er, András Schiff, war dabei der einzige Juror, der über die Vergabe bestimmte. – Wir erheben uns und klatschen

12 € Eintritt in ein neues Europa: Yanis Varoufakis entfaltet seine Ideen mal wieder in der Volksbühne. Nicht uneitel der Mann: Der Sakkokragen wie gedankenverloren, ganz selbstvergessen, im Nacken keck hochgestülpt

Nie war mir was Verdächtiges aufgefallen. Und jetzt das. Ein Trommelfellfeuer. Wolfgang Rihms Hamletmaschine in der Züricher Oper: ein dröhnendes Getrommel. Und links und rechts zwei Mütterchen, die im Krach zu schlafen schienen

Zweifelsfrei: wir sind Kosmos. Akkurates Plagiat des Alls, jeder eins für sich allein. Irreversibel dehnen wir uns aus, ganz nach universellen Vorgaben, expandieren bis zum Kollaps. Doch kurz vorher, dicht davor, gibt es ein untotes Alter, ein 50plus, in dem der Best-Ager oder Master Consumer gesenkten Hauptes, beschämt in den Raum fragt: Darf ich mich noch verknallen?

Die Welt im Handteller, das Leben, das da aufschlägt: all das kein niedliches Rätsel: Dunkel die Zeilen wie ein Fischinnern

Unsere Nacken träumen: die Messer trauen ganz der Zukunft. Warme Träume mit rhythmischem Knochenknacken

Vorauseilendes Hören: beim Musikhören denk ich manchmal ans Kommende: Der nächste Takt wird sicher dies Gesicht tragen, wird logo so und so tönen (müssen). Und nicke dann zufrieden, wenn der Urheber so komponiert hat wie ich es mir eben ausgemalt habe

Im Schein der Augen blitzt Schmutz. Staubkörner, spitze Schreie von den Messerklingen, im Westen grobe salzleckende Luft, im Rücken der frühere Geigenton. Licht, Licht, und der Singsang des gallischen Hahns

Mit kitzeligem Behagen – warum nur? – lese ich, dass Marie-Louise Wilderijkx, flüchtige Jugendliebe, immer noch im Théâtre Royal de la Monnaie auftritt

Dieses Heute kleidet sich in viel Gestrigkeit. Aller Schmiss perdu

Der Neuen Zürcher Zeitung, und darin Stefan Betschon, entnehme ich, dass Sascha Lobo das Facebook als Deppenmagnet bezeichnet hat. Ob das nur ein depperter Spruch ist?

Am Fahrband lag es, blickte mir herrisch und aufreizend entgegen, während daneben der Alltag und dahinter aus einem türkischen Lautsprecher ein Kitsch brandeten. Einer muss den Kopf in diese Brandung gehalten haben, denn mit einem Mal wie klatschende Schwanenflügel auf dem Wasser

Dabei fing das Essen so harmfrei an: mit einem unschuldigen Salat. Auf der Fronstseite der Zeitung erging ich mich in der Betrachtung der gereinigten Abtei im Eichwald. Weiter in den Seiten gab es nur marginal ein Schwappen im Magen: beim Auftauchen der von urchristlichem PiS-Grübeln malträtiertem Antlitz der Szydlo-Kaczynski Beata. Dann war da das Bild von Angela Merkel, ausgeliefert in Kreuth all der CSU-Hinterfotzigkeit – Und plötzlich sungen alle Engel im Hause und weitaus weiter: Merkels politische Zukunft? Das ist die Präsidentschaft Europas

Dieses Geklimper: fiepsende Tönchen flatternd auf viralem Flug. Papierdrachen in der satten Luft. Im geöffneten Flügeldeckel: Saitenzittern. Schon bald, zur rechten Zeit, klatschende Ovation

Armin Sensers Gedichtband Liebesleben bekommt in der NZZ vier Spalten (19.1.2016): logische Folge von Feuilletonredakteur Roman Buchelis Ästimation von Senser – dessen frühere Gedichte zählte Bucheli bereits "zum Besten, was das Genre zu bieten hat". Als Freund von handfestem Mittelmaß bringt er in seiner neuen Besprechung etwa das Senser-Zitat: "Jetzt bleibt mir für dich kein Gefühl, kein Wort / nicht mal eine Träne" ... Bucheli nennt diese wahrlich extravagante Reihung eine "wahre Orgie der Verneinung". Auch lobt er Sensers Metapher: "Europa bleibt da der Wahn / eines unstillbaren Ottomotors". Fürwahr, auch wir sind verdutzt und flunderplatt vor so viel genialer Metaphorik

mal in Amazonsprech: Surfer, die diesen Blog lasen, haben sich auch für sandor-home und c.l.sandor-home interessiert

Gutmensch, Darmstadt, Darmstädter Jury: Die spitzen Hirne des tipptoppen Deutsch haben Gutmensch zum Unwort des Jahres gekürt. Begründung: Mit der Bezeichnung würden Tolerante und Hilfsbereite als naiv und dumm hingestellt. Ich weiß nicht. Da Gutmensch nun ein Unwort, kalauert es sich allzuleicht von Gutmensch zu Unmensch

diese jahreszeitbedingt beleibten Nächte durch geht oft ein zudringliches Flüstern: ein leichter gischtäugiger Fluss: die verpanschten Worte Machados –  y al volver la vista atrás / se ve la senda que nunca / se ha de pisar – , sein reichlich bekannter Caminante. Dabei höre ich doch nur ... eine Straße muss ich gehen / Die noch keiner ging zurück ..., höre Schuberts Winterreise, Wilhelm Müllers Text, höre Fischer-Diskau oder Matthias Goerne: ... kaaaeiner ging zurück ...

In Palästina tut das Regime Mahmud Abbas genauso wenig für den Frieden wie in Israel Netanjahu – ein zynischer Titel. Ein trüber Fleck auf der neuen Neuen Zürcher Zeitung. Von Ulrich Schmid – ein stoßend parteiischer Nahost-Korrespondent

Bis zu beiden Kniescheiben im schoßweichen Grund: Sowas von einem Kniefall. Weide für die paar Augen im Rücken, da wo der Raum sich fast unmerklich krümmt

Das Erwachen: Ein stürzendes schwarzes gleichschenkliges Eck. Wasser im jähen Fall, Wasser unter Drogen

Der Rest ist verlegenes Schweigen. Fremdschämen. Femme de lettres Ilma Rakusas Gepflogenheit, ihre Herzensflops, ihre Liebespleiten vor dem großen Lesepublikum auszubreiten, ist unangenehm, ist penibel. Wenn ihre Zwei- bis Dreiwortzeilen wenigstens von einem dolce stil nuovo kündigten!

Passé simple: Im beschlagenen Spiegel schwirbelt die Fassade, und das, was dahinter im Rücken noch sichtbar, fackelt zwischen Schwinden und Weichen, tritt mal auf den Linken, mal auf den Rechten, sucht mit den Armen unsicher die Balance

Der Weg leicht fallend, eine filigrane Frau lächelnden Munds, lahme Fenster, ein bläulicher Schattenwurf in Spiegelung. Der stete Wind lässt anfluten das Wasser: Treten am Ort

In Pirmasens beißt ein 23jähriger seinem Widersacher ein Ohr ab. Später spricht er von Judasohr und tragischer Verwechslung und Dellen im All. Seine Freundin plädiert auf Lässlichkeit

und jedes Mal ein Gefühl von Entlastung, wenn eine jüdische Stimme dem faschistischen Israel den Spiegel vorhält: "Israel hört nicht auf, im Westjordanland für jüdische Siedler neue Wohnungen zu bauen und gleichzeitig palästinensische Häuser zu zerstören, was ganze Familien obdachlos macht. Es verwehrt Palästinensern den Zugang zu ihrem Landwirtschaftsland und vergibt dieses an jüdische Siedler. Die Besatzungsmacht missachtet tagtäglich das Völkerrecht und die Menschenrechte." (Guy Bollag, NZZ)

Heute gefühlt 3000 Menschen begegnet. Alle starrten auf ihr Smartphone. Einer las in einem Buch. Drei in einer Zeitung. Vier guckten in die Luft.

Im versifften Bodensatz des Bahnhofs Zoo, versteckt zwischen Ulrich-Markt und dem undefinierbaren, numinosen Dunkel weiter draußen, wirkt das Nudelhaus der einsamen Männer. Trotz des lyrischen Namens der wenige Qudratmeter großen Stampe löffeln dort im Licht nackten Neons meistens slawische Freudenmädchen ihre Stärkung

Wort zum Vortag: Der Tag liegt nun da, verdient, wenn nicht Respekt, so doch etwas Anteilnahme. Frage auf Frage wurde ihm aufgetürmt, bis er betäubt stöhnte. Statt eines Mutmachers flößte man ihm dann Abendzeit ein

Er schaut in den Spiegel. Findet: über Nacht herbstlicher das Gesicht. Er aber möchte kess strahlen. Sagt deshalb laut: Fuck. Und noch einmal und lauter: Fuck. Dann besinnt er sich auf seine klassischen Unijahre und schickt dem Fuck ein kultiviertes Merdre nach

Jung wirken: das allerdings ist fuckin' schwierig, wenn im iPod touch Schubert-Lieder statt Battle-Rap gespeichert sind

Reisender, kommst du nach ICE: im Gebiet der ersten Klasse kannst du dich mit Tageszeitungen stärken. Außer der FAZ. Die hat sich aus Spargründen verdrückt

Kaum pflegt man ein paar abstinente Tage, schon vergeht einem die Lust am Alk

Die gefährlichsten Lampenputzer: Jusos mit Theologiestudium

Trashiger Gedanke: Mich vor der erstbesten Tunte zu outen. Und zufrieden über den eigenen Witz grinsen

Gott ist für viele Praline. Für mich Wurscht

Kein Feuilleton blieb ohne Freudenträne beim Erscheinen Igor Levits auf der Klavierbühne, sein Spiel hat Die Zeit verblüfft, der NZZ den Atem geraubt. Seine Dreier-CD mit den Goldberg- und den Diabellivariationen sowie den mir bis anhin unbekannten Variationen über "El pueblo unido jamás será vencido" von Rzewski gerierte seitenweise Besprechungen. Trotzdem: nach mehrmaligem Hören von Levits Interpretation der Goldbergvariationen ziehe ich im Moment immer noch die Wiedergabe von Glenn Gould (1981er Einspielung) oder des blasierten Sir András Schiff vor. – Violinistin Julia Fischer, die bis anhin mit Martin Helmchen musiziert hat, schnappte sich Levit für eine Tournee mit sämtlichen Violinsonaten Beethovens. Um Levit mal live (ohne Studiotricks) zu hören – in Berlin habe ich den Auftritt der beiden zwar vertrödelt, aber für die drei Konzerte im Januar in Zürich die Karten gesichert

Likest du mich, so like ich dich, likest du mich nicht, so like ich dich nicht. Und die Sprache in diesen Facebook-Kommentaren: Ein Pausenplatz, Worte wie unbehauene Bossenquader in aufgelassener Werkstatt. Viel Schokoraspeln, dann wieder Vollmondgebelfer

Nun wieder da: O du illuminierte Gotteszeit, du allerbeste Konsumzeit. Buntglühende Fassaden, Balkongeländer, Oma beklebt ihre Fenster mit Sternen: O du XXL-Jesusnacht. Geflügelte Hirschenschlitten, bepackte Engel und der Krampus nur als Odeur auf dem BurgerKingKlo. Und in der Zeitung das Versprechen von Gratis-Wlan in ganz Berlin

Im Matsch lag eine sterbende Plastiktüte. Unschuldig lag sie in ihrer nackten Versehrtheit. Die Schritte über ihr eilten kaltschnäuzig hin auf dem Gehweg. Nur für den sportlichen Kraftlyriker stieg aus ihrer Austauschbarkeit eine flüchtige immaterielle Schönheit

Pipilotti Rist: "Meine Kunst funktioniert als Trost!" – O allerheiligste Pipilotti! nimm dich mit mütterlicher Liebe auch meiner an und sei mir in allen Anliegen meines Leibes und meiner Seele eine barmherzige Trösterin!

Wer wüsste, ob nun die Zeit antanzt für den geflügelten Weißfisch, den Bohnensalat, das panische Spiegelei, unser vorgezogenes Abendmahl im Shabby-Chic

dieses pulsierende Zwielicht: Vorbote, ich fühls, närrischer Nachtaktivität

Der fast geschenkte Merlot del Veneto: stumpf und eindimensional sinkt er ein

Wir schaffen das – Angela Merkels Worte werden geflügelt: Unter einem Titel mit diesen drei Wörtern schreibt die SZ in einem Artikel: "Der Tonfall wird schriller, die Gangart härter, der Egoismus ausgeprägter, die Differenzen schier unüberbrückbar – und die Einheit ist schwer gefährdet. Nicht mehr das 'Wir schaffen das' wird da verkündet, sondern Einzelgängertum und Egoshooterei". – Besprochen wird mit dem Artikel, mit diesen Worten, ein Mozart-Konzert des Trio Zimmermann in München

Schon wieder ein Fall von Kunst. Nein, ich möchte nicht Stockhausens 9/11-Glorifizierung aus aktuellem Anlass nachsprechen. Dieser Event läuft auf der Bühne des Adlon-Hotels, der Herberge in Berlin: dort spricht im Moment Mitchell Baker, Mozilla- bzw. Firefox-Chefin. Und nicht ihre karminroten Fingernägel sind das Meisterstück: es ist ihre firefoxrote Frisur, in einem kühnen Schwung ganz nach rechts gedrillt, über der rechten Wange artistisch angeklatscht, die ganze linke Kopfseite nackt den Attacken ausgeliefert

Speck im Wegdämmern. Selleriesalat auf den Lidern. Auf der Wand vorn die Epiphanie einer Gänseleber. Unbestimmtes Licht: Das ist wohl der warme Händedruck des vergangenen Mittags. Langes herzliches Schütteln. Die Seele, jetzt, versteckt sich in einer Strumpfmaske, die Runzeln sitzen landeinwärts, wo sie ja sein sollten. – Wenn nur das betäubende Geknatter langer Güterzüge endete, dieser Kriegslärm billiger Schnäpse

Das Ringen um die universelle Wahrheit kurz unterbrochen: in den dritten Espresso gestürzt. Morgen ists und die Zigaretten bereits Auswurf

sämige Zeit des Nachtflugs. In den Ohren Zikaden: diese lasziven fliegenden Worte einer toxischen Lyrik

Heute habe ich mir Gedanken gemacht. Habe sie liebevoll verfertigt, hergerichtet, sie sogar mit Tiefe verziert. Dann habe ich sie nachgesprochen. Überrascht stellte ich fest: sie klangen nicht nach der Tonart, in der Platon, Sokrates oder gar der große Sloterdijk dichteten. Und wehmütig gestand ich mir ein, dass auch ein Woody Allen mich nie wird in seine Abendlektüre einschließen, die – wie ich es der gestrigen Zeitung entnehme – an erster Stelle aus Platon und zur Lockerung aus Bertrand Russell besteht.

Seit 1984, seit dem ersten Macintosh schätzte ich mich als Teil einer elitären Glaubensgemeinschaft. Noch vor zehn Jahren war ich in einer Kreuzberger Kneipe mit meinem MacBookPro ein Paradiesvogel. Heute lese ich (und ich nicke bejahend!): Apple ist nicht mehr on fleek. "Apple-Geräte stehen heute in jedem Mediamarkt direkt neben Plastikschrott. Von der Masse hebt sich ab, wer eben kein iPhone aus der Tasche zieht" (SZ)

Die Banalität des Bösen. Hannah A. möge die Plagiierung ihres Titels verzeihen – der fiel mir spontan beim Lesen der Nachricht ein: Amazon (i. e. Jeff Bezos) will eine "analoge" Buchhandlung eröffnen. Will unsere rührselige Sehnsucht nach dem Buchladen, der Bücherbudike bedienen. Das Sortiment werden bei Amazon allerdings nicht sachkundig vorbelastete BuchhändlerInnen bestimmen: Die Zusammenstellung des Angebots in den Regalen wird Sache von Amazons Algorithmen

statt sich mit mir sexuell zu unterhalten (bedingte Anziehung wäre ja gegeben), lebt sie ihre indiskrete Neugierde: Sobald die Nachbarin meine Stimme hört, huscht sie an die zugegeben dünne Wand zwischen uns, um meine Worte zu erhaschen

Staub im Lichtstrahl: Hingucker des Poeten. Fetzen Glück vor der Zeichnung phlegmatischer Endlichkeit

Biorhythmus – falls sowas noch fashionabel ist: Langsames Erwachen im zunehmenden Zwitschern. Erst einzelne, dann zaghaft und plötzlich krude die erste Straßenbahn

Tage wie billige Reclam-Hefte: Klassikinhalt in dünnen Papierdeckeln. Kein bibliophiler Wert

der Alltag trauert, das Braun zerfließt, selbst die Kirchenbank plärrt: Eine Tasse Schokolade wurde vom Schreibtisch gefegt

Angela Merkel macht Eindruck. Auf Pegida, AfD etc zu scheißen ist jetzo nicht nur politisch korrekt, sondern erste Allerweltspflicht. Beides zusammen: Verbeugung vor Frau Merkel & zum Schuss entblößter Hintern Richtung AfD – übt Euch in Multitasking!

Im mit heißem Bemühn durchgentrifizierten Prenzlauer Berg, und darin im begehrten Bötzow-Kiez, habe ich Marianne (Hundehalterin) zu ihrer BARF-Manufaktur begleitet. Der Laden nennt sich ganz prosaisch "Schmackofatz" und bietet der schicken Prenzlberger Pethalterin Biologisch-Artgerechtes Rohes Futter (kurz BARF)

Gegenüber, hinter dem offenen Fenster: Ein Technosänger nestelt an seinem Halstuch. Und ein hungriger Traum färbt seine Schamhaare rot

über der Türschwelle flutet weiß die Zeit. Die Dämmerung fällt ein mit groben Schritten. Schneidend mager drin die Gestalt einer Stimme

Das Leben als Confiserie: Starbucks Ostbahnhof: Pappbecher, Scherben einer Bierflasche, getretene Aludosen, Papiertücher. Vergebliche Sehnsucht nach Salznüssen, nach einem Stummfilm in Callots Manier

man wird ja doch nochmal sagen dürfen: auch Pegida, auch AfD: schön braun!

Mitternacht: mahnt die Vergänglichkeit an. Deutschlandfunk, Europahymne. Zwischen dem letzten Klang im banalen Hymnusstil und der Null-Uhr-Ansage lodert auf: Die Transzendenz meines Oberbauchs. Flattert Sekunden über den bereits schlafenden Waden. Gaukelt, irrlichtert, möchte vermeintlich nur spielen. Ob dieser Astralbauch nicht doch ein Messer versteckt hält

Ein Deformationsgebiet: Raum in bläulichem Neon, die Luft schal, die Wände bis Kopfhöhe in Ocker. Uringeruch

Hinter der Tür einzelnes Gicksen: Stimmen, die gelöscht werden. Rütteln an der Tür hilft nicht: die Tür klemmt

Eine zweifelsohne hochgelahrte, eine fraglos grundgescheite Sentenz: "Es gibt Gedichte, die man erst begreift, wenn man sie nicht ganz versteht." Ein Bravochen für Gerhard Falkner!

EGMR. Nun müssen wir uns auch vom gesprochenen Recht des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte verabschieden. Das Gericht, das zwischen Völkermord und Völkermord, zwischen dem Genozid an den Juden und dem Genozid an den Armeniern, sophistische Unterschiede macht, indem es einen üblen (aber üblichen) türkischen Nationalfaschisten freispricht, ist nichts höheres als eine der gewohnten in Juristenkauderwelsch labernden Justizdiscos

Das Wunder der schniefenden Oblaten: Fristgerecht zum Anbruch der kalten Witterung werden im Schiff der Kirche Santa Maria della Matutina in Poggio della Valle heisere Töne wahrnehmbar. Die leisen Laute kommen eindeutig von den Hostien im Tabernakel

Zur Buchmesse: Wenn Fernsehen sich zwischen Buchdeckel verirrt, nehmen Feuchtgebiete zu

Vermerk: Ich bin dann mal am Lesen

Eine böswillige Behauptung: In den Baumkronen, jetzt von üppigem Orangenrot, lauern Spinnweben: Die fein zitternden künden sachte von der Hoffart des Damien Hirst

Gleichgültig zieht sie die Ware über den Scanner. Jedes Mal wenn ich vor der Kasse im Kaiser's anstehe, sehe ich eine Art grüßende Wiederkennung in ihren Augen aufblitzen. Doch: wir mögen uns nicht besonders feurig. Nachdem ich mein Zeug auf das Band gelegt und den Einkaufswagen hinter die Kasse geschoben, bittet sie vorschriftsgemäß, den darin deponierten Rucksack hochzuheben. Ich bocke: Tun Sie sich keinen Zwang an, heben Sie ihn selbst, wenn es unbedingt sein muss ... Sie blickt indigniert, sie hebt. Und unter dem Rucksack im Caddie grinst plötzlich eine Packung Schnittkäse. Sie triumphiert. Die Muzak des Supermarkts spielt ein auftrumpfendes Lied. Der nächste Kunde blickt irritiert

Wenn das eh schon frugale Wetter sich in die Kälte dreht und die Kisten vor dem Bioladen immer leerer wirken und dazu auch noch die weißen Stöpsel mitten im Song aus den Ohren fallen: arme Stine

Eingezwängt im verdichtet linken Publikum bin ich Teilchen der Menge, die quasi pausenlos Janis Varoufakis applaudiert. Statt obszöner Fingergeste vorn auf der Bühne der Volksbühne wiederholt er immer wieder: "Seien wir doch mal praktisch ..."

das Blatt A4 verliess einst einen Tintenstrahler. Nun liegt es, zu einem Ball verknüllt, vor der Spitze des Chucks und wartet auf den Tritt

Eben noch, vor einer einstudierten Geste des Abschieds, wußte ich um die Lässigkeit des Reisens zu Zeiten schlechten Wetters. Überraschend schob sich dann das weiße Phlegma der Mondscheibe ins Bild. – Weniges nur hält sich nun um die Lichtquelle im Raum auf

Nach Charlottenburg verschlagen: In der Fasanenstraße rücken rickende Fasanen an: Mit ihren gesammelten Zeilen, erotischen Zwetschgenkuchen, mit ihren pompösen Volksmärchen

Strudel, Sog, Schrei: Ein Morgen nach Textbuch. Starre Strahlen: Die expressive Lexik allzu betulichen Gemüts

Gott und das Chlorhühnchen: da haben wir den Sonntag

Um die Ecke bog eine Schweizer Schriftstellerin. Irgendwie war sie breit, irgendwie war sie flach. Ein Appeal als hätte sie Haare an ihren Brustspitzen. Dabei hilft ihr Amant, der Feuilletonredakteur, kräftig, sie zu lichten

Lucy, nein, nicht du im Himmel, Lucy, du in der Bar, dich lösend vom schwankenden Barhocker, von dem leeren Schnapsglas: Im welken Mund ein Rest Pudelduft vom letzten Kuss mit deinem Hund. Im spitzbogigen Spiegel winkt dir nur die Spinnenpanikerin. Andere Schemen, links, rechts, sind ja schon länger tot

Im Strahl der Heroen. Um seinen Sockel ein entfesselter Platz. Der fette Lärm reißt an seinem Redekonstrukt, an seiner in naiver Haltung harrenden Hand. In dem Orkan erspäht der Andere noch ein Notenblatt: Hört einen feinen bläulichen Klang

Selfie: Kamera und Balkontür. Hocker. Die Lippen gepresst, schmal, der Kopf hängend, nur leicht nach links. Sinnend der Blick, einer Leere verpflichtet. Dennoch versucht die Linke den Faden durchs Öhr der Zeit zu ziehen. –  Später wird er auf dem Weg einem Kiesel einen Tritt versetzen

duftende Stunde: Botticellis Pudica. Farben flüchten flüsternd durch den Kopf. Wachheit: Bilderreden in der Gemäldegalerie. Eine einsame Schattenvenus des nicht gekannten Antonio Donghis tritt vor. Dann sackt die Halle in die Augengrube: entfärbt sich: David LaChapelles Paraphrase der Botticelli-Venus: rosa-rosenölig affektiert. – Draußen, am Matthäikirchplatz, eine graue weinende Bettlerin

Herbstvers auf wallenden Sohlen um Alteisentonnen: Rost in den Kronen: Kaltnadel: bleifarbene Vogelsilhouetten. Säumende Zeugen des Falls

In mancher Stampe in Wedding ist das Trinken spitzer als die Rede je wird sein können

Mais non, Monsieur Malet, mais non! das Leben ist doch keine Kotze, das Leben ist ein Traum, ein unsinniger sueño, wie Calderón schon sagte

Im nüchternen Beton-Glas-Gerippe der Berliner Festspiele an der Schaperstraße ein Event mehr: Das Literaturfestival Berlin weilt langsam vor sich hin. Als Glanzstück darf der Satz gelten: "Wenn Berlin einen Arsch hat, dann ist der hier" von Marina Napruschkina. Der Satz bezieht sich auf Moabit, wo die Russin eine Initiative für Flüchtlingsbetreuung gestartet hat. – Ennuyant wird es für meinen Teil beim Religionsflüsterer (Die Zeit) Navid Kermani, dessen "ungläubiges Staunen" mir nur Gähnen abnötigt. Seine schier endlose Fachsimpelei über Gott und dessen Entourage macht auch den Diskussionsleiter, den Schweizer Andreas Isenschmied, schlicht mundtot. Als Kermani bei irgendwelchen Kirchenbildern anlangt und von "Fleischwerdung der Bildlosigkeit" palavert, suche ich den Ausgang.

Die destruktive Wirkung mieser Nachrichten vermeidend (Haagerup-Doktrin im Kopf!) vermelden wir für heute: Der Himmel über Lissabon ist nur leicht bewölkt

"Verpiss dich, Schwuchtel!" – Auch wenn der nächtliche Rat der zwei Araber wegen der vermuteten sexuellen Orientierung einem ein Lächeln abnötigt, man erschrickt doch über die zunehmend brutalere Berliner Nacht

Das Leiden nach dem Lichterlöschen: Bedrohliches Mückensirren

Unter dem Pflaster der Köpenicker Straße ist der Strand. Mit viel Phantasie im raren Sand des Spreeufers. Diese Phantasie besaß "Habait", Israels rasant wachsende Kulturexklave in Berlin, und lud dort zur "Tel Aviv Beach Party". Netter zwar und vor allem heimischer wäre "Strand" statt Beach gewesen, aber was solls. Der Spree war die Wortwahl eh egal, sie setzte ihren Fluss während des ganzen Events schulterzuckend fort. Nicht ganz so gleichmütig waren die Kreuzberger Anwohner – in der Mehrheit Palästinafreunde. Vernehmlich laut wurde – kaum war das jüdische Vorhaben bekannt geworden – für ein Gegen-Fest geworben, zur lautstarken Gegenparty gerufen. (In Kreuzberg hat es sich halt noch nicht herumgesprochen, dass Expats aus Tel Aviv zumeist vor der faschistoiden Borniertheit des orthodoxen Israel flüchten.) Habait, der Klügere, stellte sich alsbald dem Feind, sprach von unpolitischen Ballspielen, leckerem Hummusbrei, Melonen, Gratismassage im Spreesand und lud zum Dialog. – Ein übernatürliches Mysterium ward dann Ereignis: Man setzte sich zusammen, disputierte, und die Party wurde in "Tel-Aviv-Jaffa" umbenannt (Jaffa ist der ursprüngliche arabische Name der Stadt). Es herrschte plötzlich eitel Mondesschein und noch heller wurde es als der DJ aus Israel seine Gage Palästinenserkindern aus Gaza spendete. – Nur eine Handvoll Militante trübten die Nacht mit Intifada-Chören, zogen dann aber unter Polizeigeleit ab.

Diese Minuten zum Beispiel: ein Pfuhl mit einem betusam fließendem Leben. Zu träge, um darauf Worte zu flößen

Schleierwolken. Die letzten Dinge, Dinger. Schaukelnde Bilder. Eine alte Berührung flackert noch einmal auf

Je suisreste Flüchtling

Noch kurz ein letzter Mundvoll Krebssalat. Noch kurz ein Satz mit sinnvoller Anbindung an den Abend. Ein Satz mit kalkulierter Reimbildung. Ein stumpfer Gleichklang. Ein gebratenes Wiesel inmitten von Fettgeriesel. Sowas

Wie man aus der Zeit fällt: Die Augen zielen auf Fernes, ein Display wurde seit 20 Stunden nicht mehr angeblickt. Die Hand fummelt überall, nur nicht am Handy

Steine und Träume im schwindenden Licht. Rollender Kies beleckt den Fuß. Nonnensausen im Hintergrund. Vielleicht auch nur Tinnitus

Knaackstraße, Prenzlauer Berg. Unverfälschtes, wenn nicht originäres Streetfood. Die Worte der Bedienung kaum entzifferbar. Hinterher kein Norovirus, dafür Übelkeit

Neben einem Stapel Mikrofasertuch staubt ein Vollkornriegel. Die Rückwand in träumender Blässe – ein unverbrüchlicher Mikrokosmos. Aus den Lautsprechern ist Grübeln hörbar

Erschaudern lässt mich Philippe Jarousskys Stimme, ich bekomme Gänsehaut überm Rücken, wenn ich sein "Quae moerebat et dolebat" in Pergolesis Stabat mater höre (mit Julia Lezhneva und den Barocchisti). Ähnliche Sensation zeitigt auch Schuberts Quintett D 956 – die Nackenhaare sträuben sich stellenweise, etwa im Adagio

Auf dem Tempelhofer Feld, dessen drei Quadratkilometer laut Berlinerinnenentscheid topfeben, leer und öd bleiben müssen, habe ich ein mir unbekanntes Kraut entdeckt, dessen Stängel bereits die Höhe von – Augenmaß – 150 cm erreicht hat. Ein Frevel, wohl

Auf SWR2 Rezital des Pianisten Cédric Pescia. Nun, ja. Aber wenn jemand bei Bach (Goldberg Var.) derart in die Pedale tritt, rauschende Romantik entfacht ... ich stand auf und schaltete das Radio aus

Mit noch vollem Glas stand er da. Jenseits der nackten Fensterscheibe stand die Morgendämmerung. In ihrer rosenfingrigen Herausforderung. Keiner machte einen Schritt, keiner biss zu, keiner klickte. Er roch an seinem Wein. Ein Vogel setzte ein

Schaue aus dem Fenster: Ein Regen.
Ein Regentropfen ist eine belanglose Quantität. Verlässt furchtlos den Raum um in einer Lache aufzugehen

Warum bloß bin ich dauernd draußen, wo doch Facebook extra zu unserer Bestrahlung eine Quarzlampe (vulgo Höhensonne) installiert hat

Diese Nacht ist vollkommen zart. Zärtlicher als ein Filet mignon bei Auerbach

Meine Nachbarin, eine Pastorenwitwe, berichtet heute Morgen, dass sie in der Nacht nur durchs intensive Zu-Ende-Hören von Hugo Wolfs d-Moll-Streichquartett zum Atheismus bekehrt worden ist. Sie will noch heute Joachim Gauck darüber informieren.

laut NZZ erhält man in Zürich eine "an Wahnsinn grenzende Menge von Kunst" (Artikel Melanie Keim)

Was aber unbedingt an die große Glocke gehängt werden muss: Letzte Nacht habe ich unruhig geschlafen. Erst am Morgen fand ich die Ursache – unter dem Laken duckte sich ein Klang en forme de poire.

Die Alte Jakobstraße abschreitend laufe ich mehrmals in Schwaden von Lindenblütenduft. Dabei fällt mir ein, dass ich Gedichte mit Blumennennungen nicht riechen kann.

Habe auf der Cuvry-Straße, Höhe Hausnummer 27, ein Gottesteilchen gefunden. Da meinerseits keine Verwendung dafür vorhanden ist, gebe ichs gern ab (Bitte nur ernste Anfragen!)

Der Schall torkelte durch die Gasse, warf einen Schatten auf die Mauer und prallte als Rauch zurück. Erschrocken blieb er stehen, franste mählich aus und löste sich sachte auf (aus den Hitzefantasien)

Eine blasse Feder hing aus einem Nest im letzten Licht. Darunter stieg der zart-blaue Dunst eines alternden Rauchers

Nach 24 Stunden Göttern, Griechen, Tierblut, Sperma und Eingeweiden, nach 24 Stunden "Mount Olympus" von Jan Fabre im Haus der Berliner Festspiele werden Europas sonstige Festspiele zu Spielchen

Die Welt verändert sich ständig. Gestern noch ein Verbrechen, heute werde ich laut Monika Herrmann 60 g Cannabis monatlich kaufen dürfen. Legal. In einem ihrer vier Shops. (Die gibts allerdings vorläufig erst auf dem Papier)

Ist schon bezaubernd schön wie das funktioniert! Im Facebook schreibe ich: Bin am Zigarettenrauchen – und schon habe ich ein Facebook-Inserat über COPD daneben!

Das Tacheles wird von Herzog & de Meuron (um)gebaut

Staune über all den großmächtigen Nebel hier in dieser Stadt

Bin kurz draußen gewesen, um eine Gauloise zu inhalieren. Jetzt bin ich wieder im muffigen Drinnen

Über die abendliche Tischgesellschaft sinnierend: Mutig wie ein Don Giovanni lade ich Komtur NSA zum Souper

Besonders krass fühlbar ist die existenzielle Verlorenheit in einer Erdspalte auf der Hasenheide (fast ganz oben, am Columbia-Damm)

Ich saß im "Nirgendwo" in Friedrichshain, starrte für einmal nicht in mein Glas und sinnierte. Halblaut dachte ich: Ich möchte mal erleben, dass Sol Gabetta Xenakis' Nomos Alpha spielt. – Nur der Junge hinterm Tresen hörte mich

Ach, das Schmutzige, das dem Menschen innewohnt! – Während es meine Nachbarin nach Brüssel zog, um in der Monnaie ihre Herzkleckser mit barockem Schmelz zu kandieren (Händels Tamerlan oder Alcina war es), gab ich freudig einem Ruf der Volksbühne nach. Immerhin lag es schon ein Äon von mindestens drei Wochen zurück, dass ich mich meinen niedrigen voyeuristischen Trieben in einem Theater widmen konnte. Die Inszenierung von "Die 120 Tage von Sodom" durch Johann Kresnik, nach Pasolinis "Salò", nach de Sades "Cent-vingt journées", schien und war da ein wohlschmeckender Bissen. Bereits beim Gang durch die Rosa-Luxemburg-Straße breitete sich ein laszives Grinsen über mein Gesicht – und doch kam ich nach der Aufführung verstimmt den gleichen Weg zurück. Blut, Schmerz, Sex, Kacke & Urin: Sicher was für Aficionados der SM-Szene. Mir war es zu viel. Erinnert habe ich mich noch an einen Satz des Politikers (dargestellt durch Roland Renner) auf der Bühne: "Keine Bildung, nur Konsum. Nichts im Hirn außer Geld, Fressen, Vögeln, Facebook ..."

Während ich zwischen Bett und Bad in den neuen Tag präludiere, bohrt sich der Flug einer Motte durch das schattige Grau des Morgens. Ein göttliches Omen, zweifellos

Orange verfärbt sich das Himmelszelt im Westen. Abend auf dem Tempelhofer Feld. In einer kultischen Handlung werden unzählige Smartphones in die Höhe gehalten. Zur Ikonorhoe auf Instagram, Pinterest, Flickr etc beigetragen

Emilie Jeanne-Sophie Welti. Auf die haben wir im Röschtigraben gewartet. Nun flog sie unerwartet nebenan über den Heimathafen Neukölln. Und nannte sich Sophie Hunger

Da er im Moment nichts zu tun hat und auch die Luft um ihn milchig wirkt, bohrt er mit der Zunge in einer Zahnlücke. Der Umgang mit Anthroposophen, denkt er, ist zum Schießen. Dann denkt er auch ans Kaugummiblasen

Ziemlich einsam fühlt sich die Perücke und die sie tragende Seele ganz schön angeknabbert. Nur hinter der Bühne kommt die Glatze hervor. Dann steht eine Flasche auf dem Tisch und das Glas wird schnell leer. Cembalo. Der ausgekühlte Blick verheddert sich. Vielleicht von Rameau

Der Wind schmollt. Mault herum, legt sich nur unwillig. Letzte Regentropfen. Es riecht nach Nässe, verrottendem Laub. Knäuel verknüllter Klarsichtfolie. Eine Kosmetikerin stöckelt zu ihrem Toyota

Was für schöne Worte am nassen Morgen: Du bist unlesbar

Ich bin nicht von dieser Welt, quiekste die Maus und retirierte über den Umweg einer Himmelfahrt in sein Unterweltskabuff

Meldung aus einem anderen Saal. Mit dem Fiebermesser in die Achselhöhle geklemmt, gefüllt bis zum Überlauf, vom Ondit angesengt, gebettet in einen stillen Wahn sitzt er an einem Ecktisch in der Landschaft. Plötzlich lacht er auf, ohne besondere Erheiterung. "Armut ist ein großer Glanz aus Innen", fiel ihm da ein

Nur zur Hälfte. Während ich mich in der Betrachtung der Gewitterwolken verliere, die sich über den Dächern ballen, füllt sich mein Gral nur zögernd. Gral? Gral. Ich könnte ja sagen: mein Kelch, das wäre wohl treffender als Gral. Aber morgen ist Auffahrt, das Volk ist hemmungslos am Verreisen, und wir wollen ja keine Spielverderber sein. Und erkennen an, dass mein Becher nun der Gral, ein mit Apérol Spritz zur Hälfte gefüllter Legobaustein im fluffigen Gottesbild der Unendlichkeit

"geiler Scheiss" – diesem Neologismus gehört der heutige Tag

Kaum habe ich die Zahnbürste in den Wasserstrahl gehalten trat mich die Frage ans Schienbein: Wieso hat die Zeit es so eilig, mit ihrem kumpelhaften Zwinkern, mit ihrem halbseidenen Lächeln um die dick geschminkten Lippen, mit ihrem endlosen Bindestrich

Ein warmer Tag hat sich gerichtet. Und ich weiß nicht, warum ich so unentschlossen bin

Welches Getöse, welches Gebrause gab es vor paar Jahren als mitten in Kreuzberg am Marheineke-Platz die Markthalle umgebaut und neu eröffnet wurde! Im Bestreben, dem Multikulti-Straßenfutter (pardon: Streetfood) die ihm entsprechenden Sakralen Bauten auf Hipsterniveau zu errichten, wurde jetzt auch die Kreuzberger Markthalle Neun beim Görlitzer Bahnhof (für Ältere: im Herr-Lehmann-Kiez) aufpoliert. Der Alles-für-1-€-Ramsch ausradiert, die Aldi- und Kik-Tüten hinauskomplimentiert. Und groß war dann wieder das Al-Natura-Gedöns. Regional, saisonal, fair und bio sowieso waren die (langsam doch leicht altbackenen) Stichworte. Und so wie der Duden seine Bücher neuerdings englisch betitelt, so nannten die Markthalle-Foodies ihren wöchentlichen Höchsttag "Street Food Thursday". An diesem Tag wollten wir uns dort auch mal was anessen. Kurz: Die ach so regionalen vietnamesischen Frühlings- (oder waren es Herbst-)rollen schmeckten nach Zeitungspapier, die Erdnuss-Soße nach Essig (4 Euro), der Sun Day Burger mit gebratenem Tofu schmeckte nach Gummi, das Brötchen drum herum (glutenfrei!) undefinierbar. Die MacaJoe-Smoothies (Aloe Vera, Banane etc etc.), frische Idee aus irgendeinem Latinoland, helfen laut Verkaufsstand gegen Rheuma, Impotenz und Kinderlosigkeit für nur 4 Euro 50. Im Geschmack ähneln sie tatsächlich Aspirin. Taiwan ist mit Gua Bao vertreten: Schweinebauch in windelweichem Brötchen. Zurück nach Deutschland: Die schwäbischen Maultaschen, von Barbara für 7 Euro 50 gebraten, könnten mit etwas Wohlwollen als Schuhabsatz Verwendung finden. – Da sind wir dann doch wieder hinauf zum Kottbusser Tor zu einer Türkenbude

Mir träumte, verdämmernd mit offenen Augen, die Wirklichkeit bricht ein. Von einem feinen Brecheisen sekundiert sprengte sie meine Wohnungstür und schlich – nicht einmal auf Zehenspitzen –

Gestern wollte ich auf der Post ein Telegramm aufgeben. Nach Aufregung im Personal, viel Va-et-vient, wurde ich auf die Psychiatrie verwiesen

Leute! Auf eine Frage! Sehe ich wirklich derart debil aus wie dieser Text hier, den mir, dem vermeintlich Geistesverwandten, eine Ladina Kindschi aus dem schweizerischen Davos zugesandt hat???
Hier der tiefsinnige Wortlaut: "Wir sind sonnenhungrig! Du auch? Dann komm zu unserem Ferienseminar nach Paros, der Insel der Seligen! Oase schaffe, uftanke, ufblüeh (sic!) ... Hier ist Gastfreundschaft noch selbstverständlich, Gemütlichkeit angesagt und Herzlichkeit das Geheimnis für ständig gute Laune. Hier kommst du an – hier darfst du Sein (sic!). Einfach geniessen, träumen, loslassen, dich hingeben. Yoga, Tanz, Meditation, Rituale, einfach si (sic!) ... feines Essen, gute Kompanie ... Im Dezember zieht's Ladina grad noch weiter in die Ferne, in ihr geliebtes Ganeshpuri, Indien. Es hat noch ein paar freie Plätze. Wir leben in Ganeshpuri, im Dorf des Heiligen Nityananda imitten der Einheimischen, besuchen die Tempel, feiern Arati, offerieren Girlanden und stärken unsere Verbindung zum Göttlichen. Während unserer Reise in unser Innerstes üben wir Yoga, Meditation, Kontemplation und Mantra Singen (sic!). Wir erleben eine vedische Feuerzeremonie und besuchen den Göttinnentempel Vajreshwari, der der großen Shakti, der Mutter des Yoga, geweiht ist. – Auf Timetodo wird eine Sendung mit Ladina und Thomas Peter ausgestrahlt. Thomas Peter ist ein Klangheiler mit einer unglaublich starken Stimme. Ladina und Thomas werden einen Workshop auf Malta leiten. Das Thema ist Die Lichtsprache der göttlichen Seele. Thomas zeigt dir mit seiner ausdrucksstarken Stimme und seinen wunderbaren Kristall-Klangschalen, wie du ohne Technik mit der Lichtsprache der göttlichen Seele arbeiten kannst. Im freien Ausdruckstanz und im Mantrasingen öffnest du jede Zelle deines Seins, lädst deine Seele ein und erfährst direkt die göttlichen Seinszustände. Besondere Aufmerksamkeit schenkst du deinem Zentrum für Göttlichen Frieden. Weitere Highlights sind der Besuch des Hypogäums und der ältesten Göttinnentempel der Welt. – In unserem nächsten Seminar Kunstwerk Körper-Tempel erfährst du, wie unendliche Weisheit in jeder deiner Körperzellen schlummert. Du malst Bilder in ganz kurzer Zeit aus dem 'Bauch heraus' und umgehst so den kritischen Denkprozess. Mit dem 7-Schritte-Prozess (weiterentwickelt vom Halprin Life Art Process) widmen wir jeden Tag einem anderen Körperteil: der Wurzelkraft und Stabilität deiner Beine, den Feuerwerk deines Beckens und der Handlungskraft deiner Arme und Hände."

Als ich auf Kreta eine auf 80 km/h limitierte Fernstraße mit eben diesen 80 km/h befuhr, wurde ich trotz Sicherheitslinien links und rechts überholt und beharrlich mit Huptönen bespuckt. "Die sind noch nicht in Europa angekommen" murmelte die Freundin neben mir

All den Rollkoffern, die hinter Engländern, Spaniern und anderen Touris auf den Gehwegen von Kreuzberg klappern, geht es nun brutal an das eingebaute Plastik: Im Mai schickt Berlin erbarmungslose Pantomimen auf Streife, die bei Sichtung einer solchen Ruhestörung ihren Zeigefinger fest und unübersehbar auf die Lippen drücken. Nulltoleranz, drakonisch

Ein tätowierter Glatzkopf schlug einem Prophetenrauschebart die Schischa aus dem Maul. Er meinte, nun wäre er schlagfertig

Laut SZ vom Sonnanbend behauptet der Züricher SVP-Universitätsprofessor Hans-Ueli Vogt, dass die modernen Menschenrechte ein "Programm der politischen Linken" sind. Ein Teufelswerk also, das nur "Ansprüche an den Staat und damit an die Steuerzahler" generiert

Angela Merkel hat das Charisma einer Regenjacke (SZ vom Sonnabend, 2.5.2015)

Drehfacebuch: Eine Todeszelle. Hinten, durch eine vergitterte Luke, dämmert der Morgen. Von rechts kommt eine Ratte, schnüffelt an abgerissenen Werbeslogans. Am Judasauge wird behutsam der Deckel zur Seite geschoben

Heute liegt unverkennbar ein leutseliges Zähneknirschen in der Luft

Zwischen 06h und 07h ein Streichquartett von Niels Wilhelm Gade. Flaue Frühe. Lasch wie der Händedruck von Ärzten

Selbstbildnis hinter dem vergangenen Tag: In hoffnungsvoller Eitelkeit, die Feder in ein Fettauge getaucht, singe ich Knochen, huschend über ein Blatt Papier

Eine liebe Gepflogenheit der Duden-Redaktion ist das Fettnäpfchentreten. Ganz dieser Tradition entsprechend betiteln die Büttel der deutschen Sprache ihre neuesten Bücher mit "Learn Attack"

Vernissage in einer Schweizer Provinzstadt: Kein Wein, keine Tapas, Werner hat sich seinem Teig zugewandt und Hans Schärers Madonnen haben in der unsensiblen Massenhängung ihr Schrecknis verloren. Man nimmt das nächste Schiff hinaus.

Ich schaue zu wie von einem Baugerüst eine Brause wirbelt. Nasse Flecken im Hirn. Wie angebrannte Zwiebeln

Soeben bin ich über das Seiende gestolpert. Konnte mich gerade noch auffangen

Lidl spielt schon wieder den Zampano. Hat doch nun meinen Lieblingsschimmelkäse aus dem Sortiment getilgt

Ein rasender Rollator schoss an mir vorbei. Ich stellte ihm ein Bein. Immerhin begab es sich zu Zeiten des 7. DLG-Streiks

Pst! Pst! – scharf sirrte die Stimme aus einer Mauernische. Eine Hand griff mehr nach Luft als nach mir, während die dazugehörende andere kunstvoll und blitzschnell den rechten Busen entblößte. In dieser Bewegung erstarrend stierte mich die Frau unverwandt an. Nach kurzem Zögern ging ich meines Wegs. Sicherlich wollte sie ja nur nach dem nächsten Dönerstand fragen

Was bekommt eigentlich der Autor Ernst Solèr dafür, dass sein Polizist dauernd auf seine "Speedmaster" blickt – statt schlicht auf die Uhr zu schauen? Und warum tragen Solèrs Figuren "Hely Hansen", "Dolce & Gabbana" etc, statt einfach Jacke und Hose?

In der Nacht, in einer von Neuköllns sinistren Gassen eilte das Dunkel, darin ich, zum Trink- & Litklub mit dem urzeitlichen aber konzisen Namen "Wacht auf, Verdammte dieser Erde". Vor der Institution angekommen zündete ich erstmal eine Gauloise: An der Tür hing nämlich ein Flyer "Lesung Durs Grünbein". Stupide starrte ich auf den Namen: Dieser FAZ-Fatzke hier? im Reich der revoluzzenden Lampenputzer?

13 Worte setzen: Elle est retrouvée. Quoi? – L'Éternité. C'est le thé du matin avec une tartre.

Gruß an das Bundesamt für Sicherheit: Ich gebe ja gerne zu, dass Datenspeicherung eine verlockende Sucht ist. Aber müssen Sie unbedingt auch harmlosen Lämmerschwänzchen wie ich eines bin nachschnüffeln? (Betrifft Ihre Visite meiner Site am 16.04.2015 um 13:36)

Letzte Nacht durch Mitternacht tippelten Geister um mein Haupt. Alle adrett wie aus Beethovens Geistertrio 2. Satz. Nur einer, der Heilige Zeitgeist, spukte mit Spucke. Laut. Und wedelte mit einem Facebook in der Hand

Ganz versunken im Betrachten einer kahlen Gurke beschleichen mich unerwartet Gedanken, ja Zweifel, über die Existenz von Pubpahs

Blättere in Michael Fehrs Pfunzelsprache. Bin kurz vor dem Niesen.

Betrachte eine befleckte Empfängnis und pople in der Nase

Habe gedankenverloren die Zehennägel geschnitten

In diesem Jahr habe ich mehrmals gen Himmel geblickt. Dann aber wieder den Blick gesenkt

Der Mond!, prustete es aus ihr, der Mond!, der Mond!
Sie ist schon länger tot. Aber der Mond war wirklich sehr groß

Die Unruhe. Kräuselnde Warmluft in der Ferne, gelbe Berge. Über der Ebene eine mottende Süße

Das Alter schaut zu. Bäche, verstörte Wasser. Leere Plasteflaschen auf szintillierendem Asphalt. Geisterflecke, Orbs. Lauschende Schatten, an die Wand gedrückt

Der Regenschirm als Ding der Kunst betrachtet. Darunter ein lichtloser Gott händchenhaltend mit seinem fluchendem Propheten. Gesänge von Zikaden. Dann fallen Steine und Spott: Alarmist! Alarmist!

Der Raum ist beschallt. Heart, loneliness, forsaken und so in der Luft. Bierlache auf dem Klinker. Kartoffelsalat und Untotes

Aus der Siesta muss ich in eine Paranormalität gerutscht sein, in einen Traum ohne Frauenzimmer, ohne Notenpult, Flügeln aus Hanf, ohne Geschichtsschreibung. Aber einer Rolltreppe zum Abhängen. Sie führte hinunter zu einem Mauseloch

Die Viertelstunde versteckt sich im Hinterzimmer. Zur Tarnung trägt sie zusätzlich eine Strumpfmaske. Seit die unerwartete Wendung nach ihrem Bereitsein für die Reise fragte, fürchtet sie sich, bangt, rechnet mit dem Ende der Zeiten

←zurück